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Digitale Demenz: Warum ist nachhaltige Kommunikation so wichtig?

Date Posted: 8 Juli, 2015

Das Phänomen der ‚Digitalen Demenz‘ beschäftigt heutzutage viele Wissenschaftler und ist immer häufiger Thema groß angelegter Studien und in Medien. Smartphones und andere Smart Devices erlauben durch ihre Internetanbindung Wissen auszulagern. Menschen verlassen sich im Zweifelsfall hilfesuchend auf sofort verfügbare Antworten im Netz. Führt diese Wissensverlagerung zu einer neuen „digitalen“ Demenz?

Vergesslichkeit
© Andrea Danti

Digitale Demenz: vergesslicher durch das Internet?

Glaubt man Wissenschaftlern wie Yoon Se-Chaang, Arzt beim Samsung Medical Center in Korea, oder Manfred Spitzer, dann ist ‚Digitale Demenz‘ eine Entwicklung, welche viele Menschen betrifft, die regelmäßig digitale Medien und das Internet nutzen. So sollen Menschen vergesslicher werden, weil Sie ihr Wissen auslagern können. Spitzer selbst bezeichnet beispielsweise Computer unter anderem als „Lernverhinderungsmaschinen“ und prägte den Begriff der digitalen Demenz im deutschsprachigen Raum stark.

Smartphone
© ra2 studio

Das Alltags-Internet

Smart Devices sind praktisch, ihre Abwesenheit führt oftmals zu Hilflosigkeit. Das Smartphone ersetzt die Notwendigkeit sich Telefonnummern zu merken zu müssen. Darüber hinaus listet das Smartphone alle Termine, hilft bei der Orientierung in fremden Städten, und erlaubt die einfache Aufrechterhaltung von Beziehungen. Das Smartphone sammelt Nachrichten nach persönlichen Interessen und zeigt sie in Sekundenschnelle an. Neuro-Wisschenschaftler widersprechen der Theorie der Digitalen Demenz: trotz der starken Nutzung des Internets sehen sie keine Anzeichen dafür, dass Menschen durch die Wissensverlagerung dement werden.

Gehirn
© giorgos245

Wie verändert sich das Gehirn durch die Nutzung digitaler Medien?

Neurowissenschaftler Prof. Dr. Michael Madeja stellt In diesem Interview klar, dass sich das Gehirn durch die Nutzung digitaler Medien durchaus verändert. Seinen Aussagen zufolge verändert sich das Gehirn stetig und passt sich neuen Gegebenheiten an. Wer zum Beispiel viele actionlastige Computerspiele konsumiert, optimiert sein Gehirn auf genau diese Herausforderung und trainiert Dinge wie Feinmotorik, Reaktionsfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit. Gleichzeitig stimmt aber auch: Wer über einen längeren Zeitraum weniger auswendig lernt und sein Gehirn nicht auf diese Weise schult, dessen Gedächtnisleistung wird folglich schlechter. Zusammengefasst: Der (veränderte) Konsum bestimmter Medienarten, ändert zwar die Fähigkeiten des Gehirns, spricht dabei andere Fertigkeiten an, die vor 20 Jahren vielleicht noch viel weniger genutzt wurden. Wer sich also keine Telefonnummern oder Mailadressen merken kann, beansprucht andere Hirnbereiche.

Das Phänomen ‚Digitale Demenz‘ in der Kommunikation

Doch hat der Begriff einen Einfluss auf die Kommunikationsarbeit, die wir täglich leisten? Im Grunde genommen ist nichts schlimmer, als eine Kommunikationskampagne, die keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Doch die Veränderungen in der Denkweise und der Wahrnehmung durch die Verbreitung digitaler Medien muss jedem PR-Profi immer bewusst sein. Kommunikationsarbeit passt sich den Plattformen an, die sie bedient. Kommunikation muss sich dem veränderten Nutzerverhalten anpassen. Nur so kann sie nachhaltig sein und denjenigen im Kopf bleiben, die ohne ihr Smartphone Schwierigkeiten haben würden, rechtzeitig zu Geburtstagen zu gratulieren.

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