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Die Zukunft des Digital-Journalismus liegt im Special Interest – glaubt Yahoo

Date Posted: 15 Januar, 2014
wildcard-Screenshot: Yahoo! Tech

Wurden die Weichen für die Zukunft des Digital-Journalismus auf der CES gestellt? Eigentlich ist die CES eine Technikmesse. Yahoo Geschäftsführerin Marissa Mayer war das egal. Gut so, darf man im Nachhinein sagen. So ganz deplatziert waren Mayers Visionen auf der CES sicher nicht – immerhin soll das neue Medienmodell hauptsächlich auf Smartphones und Tablets greifen. Zudem sieht Yahoo die Zukunft des Digital-Journalismus in Special Interest-Medien – eine ähnliche Vision äußerten wir schon auf dem wildcard-Blog. Allerdings auf die Printpresse bezogen. Vorausgreifend kann ich sagen: Ich mag Yahoos Weg.

 

 

Sobald es um journalistische Zukunftsmodelle jeglicher Art geht, sollte PR Gewehr bei Fuß stehen. Immerhin sind „Journalismus und PR zwei Seiten einer Medaille namens Aufklärung“, wie wir im Dezember letzten Jahres feststellten. PR ist also immer daran gelegen, dass sich der Journalismus – egal ob online oder offline – aus seiner Krise befreien kann. Was Marissa Mayer auf der CES sagte, ist definitiv beachtenswert, da ihre Ideen Informationsplattform, journalistische Gattung, Aufbereitung und Monetarisierungsmodell auf eine frische Art kombinieren.

Digital-Journalismus: Essen und Technologie als Startprojekte

wildcard: Yahoo! Food

Für den Anfang will sich Yahoo durch Special Interest-Magazine auf die Bereiche Food und Technologie konzentrieren. Foodmagazine wie Eat Smarter können im Printbereich durchaus ordentliche Zahlen aufweisen. Unter Blogs sind die Themen Food und Technik ohnehin außergewöhnlich erfolgreich und beliebt. Allerdings sollen Yahoos Tech- und Foodmagazin nahezu ohne „Fachchinesisch“ und ohne klassische Anzeigen auskommen. Während die Vermeidung von Fachbegriffen ohnehin ein Credo des Journalismus ist (das von vielen Redaktionen ignoriert wird), ist die Frage nach dem dahinterstehenden Geschäftsmodell eine DER existenziellen Problemstellungen des Journalismus im Allgemeinen. Yahoo will dieses Problem wohl durch eine Art Advertorial – oder neuer: durch „Native Advertising“ – lösen.

Diese Native Ads boomten 2013 dank Anbietern wie Buzzfeed. Sie werden auf journalistischer Seite auch stark diskutiert, so wie bei ZDF-Redakteur Martin Giesler. Die große Frage, die er stellt, ist die nach der Kennzeichnung, da das Prinzip der Native Ads davon lebt, dass der Leser Werbung eben nicht als solche direkt erkennt. Dieser Kritik nahm Mayer in ihrer Ansprache zur Zukunft des Digital-Journalismus den Wind aus den Segeln: Bei Yahoo soll Werbung als solche auch zu erkennen sein. Und tatsächlich: Artikel auf Yahoo Food und Yahoo Tech zeigen sich in ihrer, für mobile Endgeräte optimierten Form, deutlich gekennzeichnet.  Dieses von Ford gesponserte Beispiel zeigt, wie Werbung reichlich unaufdringlich in diesen Artikeln umgesetzt werden kann. Aufhänger ist Fords SYNC AppLink. Mike Wehner listet (das ist bei Native Advertising beliebt und erfolgreich) die fünf passenden Apps. Auffällig: Im Text steht nur einmal der Markenname – doch der Artikel verknüpft Ford im Leserkopf direkt mit Fortschrittlichkeit. Sollten sich solche Modelle in Zukunft wirklich als lukrativ herausstellen, ist jedes Unternehmen gut beraten, kreative Ansätze mit redaktioneller Relevanz erstellen zu können. Externe Dienstleister, wie Agenturen mit großer journalistischer Expertise, werden zum wichtigen Ratgeber.

Andere Artikel auf Yahoo/Food und Yahoo/Tech werden teilweise händisch von einer Redaktion ausgewählt und erstellt, die anderen Artikel finden nach dem Summly-Prinzip ins Magazin. Da passt es auch, dass der erst 18-jährige Summly-Erfinder Nick D’Aloisio redaktionell federführend ist.

tumblr als Vorbild

Schauen wir uns beide Yahoo-Seiten genauer an: Als großes Vorbild gelten Blogs. Exakter tumblr (gehört zu Yahoo). Auf Smartphones und Tablets ist das tumblr-Layout optimal. Apropos tumblr: Das Micro-Blog-Netzwerk will Yahoo auch verstärkt nutzen, um Unternehmen anzubieten, dort Anzeigen zu buchen – die sehen im Übrigen genauso aus, wie auf Yahoo/Food und Yahoo/Tech. In unserer Serie Social-Media-Kommunikation für Unternehmen – abseits von Facebook und Twitter stellten wir immer wieder die Wichtigkeit des Blog-Netzwerks heraus – vor allem für PR-Themen.

Die Zukunft des Digital-Journalismus liegt im Yahoo-Konzept – das glaube zumindest ich. Ich hoffe nur, dass dieses Modell auch lukrativ genug ist, um die beteiligten Redaktionen fair zu bezahlen.

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