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Die Filterbubble – Unbewusste Lenkung medialer Aufnahme

Date Posted: 14 November, 2014
© klublu - Fotolia.com
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Wenn sich ein normaler Internet-Nutzer in den Weiten der Social Media-Kanäle bewegt, nimmt die Person Informationen bewusst auf, verarbeitet sie in seinen bevorzugten Präferenzen und widmet sich der nächsten Information. Doch mit seinen Klicks und Views setzt der Nutzer Mechaniken und Algorithmen in Gang, die sein Nutzungsverhalten, seine Informationsaufnahme und nicht zuletzt seine Nutzungsfrequenz stark beeinflusst. Die Filterbubble, ein neumodisches Wort für ein altbekanntes Konzept, arbeitet im Hintergrund und lenkt das World Wide Web in konkrete und wenig „weite“ Bahnen.

Geklickte Bahnen

Aber was ist die Filterbubble denn nun? Steuert sie jemand bewusst, um Einfluss auf unser Konsumverhalten zu haben? Die Filterbubble ist ein Konzept, das automatisch im Hintergrund jeder Internetaktion in Zusammenhang mit Google oder Facebook läuft und die Präferenzen und die persönliche Relevanz eines jeden Nutzers in Bahnen lenken soll. Kein Facebook-Nutzer bekommt alle News oder Beiträge zu sehen, die seine Freunde, Gruppen oder Abonnements einstellen, sondern nur einen präferierten Teil davon. Abhängig ist dieser angezeigte Teil von der Aktivität auf Facebook. Ein einfaches Beispiel: Ist ein Nutzer besonders aktiv auf der Facebook-Seite seines favorisierten Filmkritik-Blogs, betätigt dort oftmals den „Gefällt mir“-Button oder kommentiert gar, so sorgt der Facebook-Algorithmus dafür, dass ihm in Zukunft präferiert Nachrichten von dieser Seite angezeigt werden. Wohingegen eine Gruppe, in der der Nutzer nicht aktiv ist, eher selten angezeigt werden wird. Besondere Ereignisse wie Hochzeiten o.ä. werden wiederum besonders vielen Menschen angezeigt, insofern sie verbunden sind, was auch schon mal zu Verwirrungen führen kann. Auf diese Weise erschließen sich Interessensnetzwerke, oder aber es definieren sich enge bzw. weniger enge Freundeskreise.

Google kennt mich

Doch nicht nur auf Facebook lenkt die Filterbubble das unbewusste Auge des Konsumenten. Die Suchmaschine Google ist sehr tief im Gesamtwerk des Internets vernetzt und filtert bereits grundlegend nach Wichtigkeit und Zielsetzung einer Suche. Durch die vielen gesammelten Informationen über das Surfverhalten des Konsumenten ist Google jedoch in der Lage, bei einer Suchanfrage Antworten zu priorisieren. Im Idealfall zeigt das Suchergebnis für das Wort „Käfer“ einem Autoliebhaber das entsprechende VW-Modell als erste Option an und einem Entomologen Informationen über die Insektenart. Ähnliche Konzepte finden sich auf YouTube, Twitter oder in Werbeanzeigen wieder, wo die Präferenzen des Nutzers in Verbindung gebracht werden mit der allgemeinen Wichtigkeit und entsprechend spezifizierte Suchanfragen oder Empfehlungen erscheinen.

Nicht Links und Rechts

Selbstverständlich existiert diese Filterbubble aus einem bestimmten und praktischen Grund, den niemand bezweifeln kann. Kein Mensch ist in der Lage oder hat die Zeit, sich alle Informationen auf den Social Media Kanälen oder auf Google anzusehen und sie manuell für sich zu filtern. Eine entsprechende Vorfilterung zur Arbeits- und Aufnahmeerleichterung ist sinnvoll und nützlich und erleichtert den Umgang mit dem Internet ungemein. Gleichzeitig jedoch ist auch die Kritik an diesem Konzept verständlich. Der Nutzer wird in seiner Aufnahmemöglichkeit stark kanalisiert und eingeschränkt, so dass das angeblich so weite Internet zu einem sehr engen Schlauch mutiert. Dadurch entsteht eine Bevormundung, die es dem Nutzer sehr schwierig gestaltet, auch außerhalb seiner Interessensbereiche Interessantes oder gar Wichtiges zu entdecken. Menschliche Entwicklung oder Dialoge können nur durch das Ausloten von Grenzen oder durch das Erkennen und Differenzieren von Gegensätzen entstehen. Ohne eine Form des möglichen Aufreibens oder Erweiterns an Grenzpunkten wird der Internetkonsum zu einer stumpfen Angelegenheit ohne tiefergehenden Sinn. Es entsteht eine Heterogenität, in der der Internetnutzer ausschließlich Bekanntes konsumiert, was wiederum zu wachsender Intoleranz und Horizontlosigkeit führen kann, da man sich ausschließlich mit Menschen und Dingen umgibt, die wie man selbst sind.

Der Bereich der Filterbubble ist ein sehr schwer zu greifendes und kontroverses Thema, das sowohl mit positiven als auch mit negativen Argumenten gesehen werden kann. Letzten Endes ist eine Nutzung des Internets in unserer extremen Informationsflut ohne einen solchen Filter aber nahezu unmöglich. Hier liegt die Basis dieses Konzeptes und der Grundgedanke, an dem kein Weg vorbeiführt. Für den Endbenutzer gibt es eine einfach Lösung, falls er dieses Konzept nicht nutzen möchte: regelmäßig den Cache leeren. Google sieht sich dabei nicht in der Verantwortung, da es auch keine Lösung geben kann, ohne die Filtersysteme zu gefährden, die wiederum nötige Sortierungsprozesse steuern. Der Internet-Konzern verweist diese Verantwortung an die Unternehmen und deren Präzision in der SEO-Steuerung. Eine mögliche Lösung könnte in stärkerer Transparenz bestehen, beispielsweise bei der Parametersetzung des Algorithmus.

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