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Der Deutsche Computerspielpreis – genug Auszeichnungssubstanz?

Date Posted: 25 April, 2013

Wenn man mich fragt, welches Computerspiel für mich das Spiel des Jahres ist, muss ich jedes Mal auf‘s Neue eine ganze Zeit lang überlegen. Zuerst einmal muss man sich die Frage nach den Kriterien stellen: Ist Grafik ausschlaggebend? Die tiefgründige Geschichte? Eine gute Erzählform oder ganz subjektiv welches Spiel am meisten Spaß gemacht hat? Am Ende ist es von allem ein bisschen. Genau diese Fragen stellt sich jedes Jahr die Jury des Deutschen Computerspielepreis. In diesem Jahr fiel die Wahl auf das hochgelobte deutsche Adventure Spiel „Chaos auf Deponia.“ Wir werfen einen kleinen Blick auf die vergangenen Würdeträger und begründen die Wahl des neuen Spiel des Jahres.

Der Sieger: Chaos aus Deponia
Bild: Deadalic Entertainment

Der Deutsche Computerspielepreis wird seit dem Jahr 2009 jährlich vergeben und ist mit einem Preisgeld von insgesamt 385.000 Euro dotiert. In sieben Kategorien, darunter „Bestes deutsches Spiel“, „Bestes Kinderspiel“ und „Bestes Jugendspiel“ werden die Sieger gekürt. Die Jury wählt dabei Spiele aus, die einen besonderen kulturellen oder pädagogischen Wert haben. Genau diese Einstellung wurde in der Vergangenheit oft kritisiert.

Crysis 2 und der Eklat

Den größten Eklat gab es beim Deutschen Computerspielpreis im Jahr 2012, als der Ego-Shooter Crysis 2 als bestes Spiel ausgezeichnet wurde. Das in Frankfurt entwickelte Spiel setzt in Sachen Technik und Grafik Maßstäbe in der gesamten Computerspielindustrie. Dennoch fanden CDU/CSU Anstoß daran, ein sogenanntes „Killerspiel“ ohne Jugendfreigabe mit dieser Auszeichnung zu dekorieren. Bereits bei der Nominierung des Titels verurteilte Mediensprecher Wolfgang Börnsen die Entscheidung der Jury.

Bereits zwei Jahre zuvor gab es Verwirrungen um den Preis, da einige Medien vermuteten, dass der Favorit auf den Titel, das Playstation 3 exklusive Spiel „Uncharted 2“, aufgrund der USK-Freigabe von 16 Jahren nicht mit dem Titel bedacht wurde. Der „Stern“ und die Zeitung „Der Westen“ verurteilten die Vergabe des Preises und bezeichneten die Veranstaltung als „Etikettenschwindel“ und „Farce“. Auch in diesem Jahr kann man über die Auszeichnung des zweifellos des würdigen Preisträgers, „Chaos auf Deponia“, diskutieren.

Anti-Kriegs Shooter: Spec-Ops: The Line
Bild: Yager Developement

Die beiden anderen nominierten Spiele für den Titel „Deutsches Spiel des Jahres“ war das Rollenspiel „Risen 2“ und der Anti-Kriegs-Shooter „Spec-Ops: The Line“. Nach der Killerspiel-Debatte im letzten Jahr ist es nachvollziehbar, dass die Jury einen deutlich unumstrittenen Titel mit dem Preis auszeichnet. Dennoch ist besonders „Spec-Ops: The Line“ trotz seiner USK-18 Kennzeichnung und der teils heftigen Gewaltdarstellung besonderes kulturell interessant. Das Spiel schafft es erfolgreich den Spieler seine Handlungen zu hinterfragen und sich nach einigen Missionen, aufgrund des Geschehenen wirklich schlecht zu fühlen. Dabei erzählt das Spiel eine Geschichte, die an „Apocalypse Now“ erinnert und die Grausamkeiten des Krieges wie kein Anderes herausstellt. Dennoch richtet sich das Spiel, genau wie das sehr komplexe „Risen 2“, primär an ein erwachseneres Publikum.

Kriterien überdenken

Deutsches Rollenspiel: Risen 2 Dark Water
Bild: Deep Silver

Damit der Deutsche Computerspielepreis in Zukunft eine ernsthafte Auszeichnung für die Arbeit deutscher Entwickler ist, könnten die Entscheidungs-Kriterien meiner Meinung nach überdacht werden. Es sollte nicht vorrangig darauf ankommen, ob ein Spiel kindgerecht oder pädagogisch wertvoll ist oder ob im Nachhinein eine Entscheidung zu sehr polarisiert und negative Stimmen hervorbringt. In meinen Augen dürfte der kulturelle Wert deutlich mehr im Vordergrund stehen. Aber auch andere Kriterien wie beispielsweise der internationale Erfolg. Nicht das wir uns falsch verstehen, die angesprochenen Punkte richten sich nicht gegen das Spiel „Chaos auf Deponia“. Der Titel ist mit viel Liebe zum Detail entstanden, bietet Witz, eine unterhaltsame Geschichte und eine jede Menge Spielspaß! Irgendwie werde ich jedoch das Gefühl nicht los, dass  man sich in der Jury vielleicht am Ende doch für eine bequemere Variante entschieden hat. Aber im nächsten Jahr gibt es ja wieder die Chance, ein Zeichen zu setzen.

In diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch an Deadalic Games und ihr ausgezeichnetes Adventure „Chaos auf Deponia“!

 

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