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DayZ, Rust & Co – Brutstätte digitaler Psychopathen?

Date Posted: 28 Mai, 2014
Bild: fotolia

Sucht man bei Google nach DayZ oder Rust, findet man neben zahlreichen Erfolgsmeldungen mindestens ebenso viele skurrile Geschichten aus den Welten dieser neuen Generation von Massive-Multiplayer-Online-Games. Bemerkenswert: Offiziell sind beide Spiele noch nicht erschienen, sondern derzeit mitten in der Entwicklung. Seit DayZ vor etwa sechs Monaten auf Steams Early-Access-Plattform angeboten wird, wurde es bereits über 2 Mio. Mal verkauft. Die Alpha-Version von Rust überstieg die Millionen-Marke ebenfalls bereits Anfang des Jahres. Beide Titel legen ihren Fokus auf das Überleben und lassen dem Spieler freie Hand in seiner Vorgehensweise.

Wandel im Genre – angetrieben

MMOs, speziell MMORPGs, also Online-Rollenspiele, gibt es schon seit Jahren – spätestens mit Blizzards World of Warcraft sind sie in aller Munde. Doch während es in World of Warcraft feste Ziele gibt und Spieler ihren Charakter weiterentwickeln, mächtiger werden und bessere Waffen erhalten, bieten Survival-MMOs keines dieser Elemente. Mächtig ist nur, wer sich organisiert, wer Glück hat und gute Waffen findet. In einem Wired-Artikel wird die Macht der Spieler und vor allem die negativen Effekte, die diese Macht in der virtuellen Welt haben kann, thematisiert.

DayZ ist zwar von Zombies bevölkert, die den Spielern zusetzen können, die wahre Gefahr liegt aber im Aufeinandertreffen mit anderen Spielern. Darin liegt gleichzeitig aber auch der große Reiz. Wie Spieler reagieren, welche Sprache sie sprechen und ob man auf Freunde oder Feinde trifft – das macht das Spiel aus. Durch Permadeath als Spielelement ist das Überleben der Mittelpunkt des Spiels. Permadeath bedeutet: Ist der Charakter erst einmal tot, kommt er so nicht wieder und mit ihm geht die gesamte Ausrüstung verloren. Je länger man am Leben bleibt und umso mehr Ausrüstung man ansammelt, desto wertvoller wird der Charakter im Spiel. Für den Spieler selbst, aber auch für potenzielle Feinde. Der australische Journalist Adam Ruch zum Beispiel wurde von einer kleinen Gruppe Spieler virtuell angeschossen, geheilt und danach als Sklave gehalten. Nachdem seine Entführer in einem Gefecht das Zeitliche segneten, twittert er, dass er die Gruppe gerne wieder treffen würde. Stockholm-Syndrom in Videospielen – auch das ist ein Novum, das es erst seit DayZ gibt.

Bild: Bohemia Interactive

Rust geht in eine ähnliche Richtung. Nackt und nur mit einem Stein bewaffnet bahnt man sich seinen Weg durch die Spielwelt, errichtet Hütten und kann so ganze Dörfer oder Gemeinden bilden. Natürlich bildet auch hier der potenzielle Konflikt zwischen den Spielern ein entscheidendes Element. Oftmals bilden Gruppen eine Art Polizei, um zum Beispiel Gemeinden zu schützen oder Banditen zu bestrafen. Hier gibt es sogar Bewerbungsmaßnahmen für das Spiel – mit eigenen Regeln und festgelegten Bestrafungen. Beide Spiele lassen den Spielern freie Hand – es gibt kein klar vorgegebenes Gut und Böse. Es ist faszinierend,  dass sich tatsächlich Spielergruppen finden, die versuchen Recht und Ordnung durchzusetzen.

Mein Gott!

Bild: Bohemia Interactive

Viele Spiele ködern Interessierte damit, in der virtuellen Welt mächtiger sein zu können als im realen Leben. Mal ist man der Auserwählte, dem gottgleiche Kräfte verliehen werden, mal ein Supersoldat, der durch technologische Vorteile seinen Feinden überlegen ist. In einem Videospiel reicht es nicht aus, so zu sein, wie man im richtigen Leben ist. Im neu erschienenen Watch_Dogs erlangt man zum Beispiel Macht, indem man als Hacker jedes elektronische Gerät kontrollieren und seine Mitmenschen unbemerkt ausspionieren kann. Ob man damit Gutes oder Schlechtes anstellt, ist einem selbst überlassen. Ohne opulente Grafiken und futuristische Gameplay-Elemente, bieten DayZ und Rust dem Spieler nicht nur die Möglichkeit eigene, einzigartige Geschichten zu erzählen, sondern auch ihren eigenen Wertvorstellungen in einem Videospiel gerecht zu werden. Sie können kriminelle Fantasien ausleben, Macht über hilflose Spieler ausüben oder ihnen als Verfechter des Rechts zur Seite stehen. Genau wie im richtigen Leben wird Macht auch in Spielen genutzt, um Gutes zu tun. Oder es bringt das Schlechte im Menschen hervor. Dies ist allerdings kein Fehler des Spiels, sondern die Entscheidung eines Menschen.

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