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Datenumzug in die Cloud – wenigstens nichts zu schleppen …

Date Posted: 19 April, 2013

Trendvorhersage digitale Welt: chronisch bewölkt. Während ich mich nach den trüben Monaten über blauen Himmel freue, will mir jetzt nahezu jedes IT-Unternehmen die schöne neue Cloud-Welt schmackhaft machen. „Ziehen Sie mit Ihren Daten doch in die Cloud, Herr Seum.“ Okay, zumindest habe ich die Zweitwohnung schon bezogen. Die iCloud. Der Immobilienmakler nannte sich Herr Apple. Smarter Typ, doch mein Hauptwohnsitz bleibt vorerst meine Festplatte – auch wenn es manchmal nervt.

Umzug in die Date-Cloud.

Da sitze ich nun an irgendeinem Bahnhof in Deutschland und will einen Text beenden. Gestern Abend hab‘ ich ihn noch am Desktop begonnen. Den USB-Stick, auf dem ich den Text speicherte, hab‘ ich in jene Hose gesteckt, gegen die ich mich heute Morgen noch in einer modischen Spontanaktion entschied. Ja, jetzt wäre ein Cloud-Speicher sinnvoll: ratzfatz würde es den Text meinen Rechner regnen – wenn denn die Verbindung stimmt. Es war aber zu skeptisch. Bei sensiblen Daten in der Wolke ist mir immer noch nicht ganz wohl … Thema Sicherheit und Privatsphäre. Und auch Daten-Monopole und persönliche Freiheit. Diese Angst konnte mir noch kein Unternehmen mit seiner Kommunikation, PR oder Werbung nehmen. Und so wirklich greifbar konnte die Herrschaften dieses Thema auch noch nicht machen.

Cloud-Gaming – Die Zukunft?

Aber das sind ja die Basics. Das Thema ist schon weiter. Etwa im Gaming-Bereich. Vor allem, nachdem Entwickler-Gott  Hideo Kojima unlängst gegenüber dem britischen Spielemagazin EDGE sagte, ab der nächsten Konsolengeneration (Xbox 720 und PlayStation 4) würde Cloud-Gaming eine immer stärkere Rolle spielen.
Auch wenn sich Kojima da sehr bedeckt hält – der Konami-Kreative spricht nicht davon, Spielstände in der Cloud zu speichern – er meint eine Zukunft, in der keine Konsolen-Hardware mehr in meinem Wohnzimmer nötig ist. Alle Rechenleistung, die Xbox 360 oder PS3 aktuell noch in meiner Bude parken, sind irgendwo da oben, in der Cloud. Auch meine Games stehen nicht mehr in meinem Regal, ja, sie sind nicht mal mehr auf meiner Festplatte – ich erwerbe nur noch die Lizenz, sie zu spielen. Ich habe nur noch einen Fernseher im Zimmer. Der empfängt nur noch den Stream des Spiels. Weitergedacht ist das die Ein-System-Zukunft. Keine Exklusivspiele mehr. Nur noch Rechner, die irgendwo „da oben in der Cloud“ stehen.

Die Sache mit den Lizenzen

Als in den 70ern geborener, in den 80ern aufgewachsener und in den 90ern sozialisierter User habe ich da eine gewisse Skepsis.

Sind meine Daten in der Cloud sicher?
Bild: Dropbox

Diese zeigt sich auch gegenüber Modellen für Bücher, Filme und Musik. Gerade gegenüber Musikmodellen wie Spotify. Fraglos: Als Mensch, der viel unterwegs ist und der hauptsächlich über ein mobiles Gerät Musikhören will, ist etwas wie Spotify ein Segen. Gegen eine Lizenz kann ich auf eine riesige Musikauswahl zugreifen. Ich kaufe aber eben nicht die Musik, wie bei einem Download, sondern nur die Lizenz. Gerade als DJ, der sogar noch Vinyl-Platten kauft, eine komische Vorstellung. Was, wenn mal der Cloud-Speicher temporär nicht zugänglich ist? Diese Probleme tauchten in den letzten Monaten bei diversen großen Titeln auf. Da mussten die Spieler mit vielen Pannen zurechtkommen. Außerdem bedeutet das Modell einen Online-Zwang – und der wird heftig diskutiert, nachdem durchsickerte, dass die Xbox 720 wohl nur so funktionieren wird.

Oder schlimmer: Was, wenn ein Cloud-Anbieter, bei dem ich meine Lizenzen kaufte, mal von heute auf morgen weg ist? Mich auf einen Festplattencrash selbst vorbereiten – das kann ich. Aber meine gekauften Lizenzen? Diese Skepsis konnte mir noch keine praktizierte Unternehmenskommunikation nehmen. Vielleicht mal eine große Aufgabe für die Zukunft.

 

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