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Tatort-App: Das Erste mit der zweiten App – Streit mit Dritten?

Date Posted: 18 März, 2013

Die ARD hat eine weitere App in den Apple-App-Store und den Google-Play-Shop bugsiert. Die haben wir alle – höchstwahrscheinlich – finanziert. Solange wir denn Rundfunkbeiträge zahlen. Immerhin ist die App kostenlos. Alles andere wäre der reinste Affront gegen die nicht gebührenfinanzierte Konkurrenz. Aber, was soll man gegen die als „Tatort-App“ bezeichnete Anwendung schon haben? Neben dem Tatort gibt’s dort Talk-Sendungen, Filme, Reportagen und Serien. Alles live oder zeitversetzt. Wer sich einfach nicht merken kann, wann seine Wunschsendung läuft, für den hält die App eine Erinnerungsfunktion parat.

Von der Tatort-App zur Tagesschau-App

Dennoch wird die App mit Argwohn beobachtet. Der Grund liegt in einer Ankündigung aus dem Jahre 2009. Damals kündigte die ARD mit der Tagesschau-App eine Anwendung an, die im Jahr 2010 auf den Markt kam und bis heute erfolgreich läuft – gegen die aber auch große deutsche Verlage Sturm laufen. Der Grund: Bisher kümmerte sich der Rundfunk auch um Rundfunkangebote – Textangebote gehörten da auch laut Rundfunkstaatsvertrag nicht dazu. Denn da steht: „nichtsendungsbezogene presseähnliche Angebote“ dürfen von öffentlich-rechtlichen-Sendern nicht verwirklicht werden. Gebührenfinanzierte Anstalten sollen gebührenfinanzierten Druck- und Online-Angeboten keine unlautere Konkurrenz machen. Das ist gut so. Das ist richtig. Doch um Tagesschau.de und die App, die ihre Nutzer auf dieses Angebot zugreifen lässt, ist ein Streit entbrannt. Die ARD sagt, es handele sich um ein multimediales Angebot, das sich keinesfalls nur auf Text stützt. Acht große Verlage sehen das anders und klagten gegen die App. Vor dem Landgericht Köln hatten sie damit auch Erfolg. Zumindest in Teilen. Eine Version aus dem Juni 2011 wurde verboten. Alle anderen nicht. Dennoch ging man seitens der ARD in Berufung.  Gehe ich heute in den App-Store, kann ich mir die Tagesschau-App problemlos gratis herunterladen. Bis heute steht nicht fest, was im Zeitalter des Internets eigentlich der Begriff „presseähnlich“ bedeutet.

Sollte die Tagesschau im TV bleiben? Viele Verlage sehen das so. Ihnen ist das Angebot zu „presseähnlich“. Bild: wildcard

Der Kern des Problems ist aber derselbe, wie er auch im Streit zwischen Google und den Verlagen besteht: Wie verdienen Verlage im Netz Geld? Denn Print – das ist so eine Sache.

Kritiker der Tagesschau-App führen immer wieder den Gebührenbetrag an, den die Öffentlich-rechtlichen Alljährlich kassieren:  7,5 Milliarden – da müssten wir schon etliche Start-Ups zusammenpacken, um auf diesen Betrag zu kommen. Oder anders gesagt: Eine App, die so finanziert wird, ist mal Crowdfunding der etwas anderen Art – bloß wird hier niemand gefragt, ob er mithelfen will.

 

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