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Das Dschungelcamp: Der soziale Kitt im Social Web

Date Posted: 27 Januar, 2014
© Banana Republic – Fotolia.com

Wer ein bisschen was darauf gibt, wie er von Kollegen oder Freunden wahrgenommen wird, verschweigt so manches. Auch beim Fernsehkonsum. Etwa, den Bachelor oder Deutschland sucht den Superstar zu schauen. Bei einem Format wagen sich viele Menschen aus der Deckung: Dschungelcamp. Weshalb das so ist, darüber bloggten wir vor genau einem Jahr schon mal. Dass das Dschungelcamp im Moment alle Social Media-Rekorde bricht, ist ein direktes Resultat dieser Erklärungen.

Ideal für den Second Screen

Eine aktuelle Social TV Buzz Analyse von MediaCom Deutschland ergibt: Kein anderes TV-Format wird so aktiv in den sozialen Netzwerken diskutiert, wie „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“. Allerdings: „Diskutieren“ wäre zu hoch gegriffen – unter den Hashtag #IBES wird gelästert, dass der Dschungel wackelt. Verbal geschossen wird vor allem gegen Insassin Larissa Marlot und den mittlerweile ausgeschiedenen Michael Wendler. Diese immense „Second Screen“-Nutzung zeigt zwei Dinge: Erstens – Der Second Screen ist im Mainstream angekommen. Zweitens – Uralte Mechanismen des sozialen Klatsch und Tratsch verlagern sich einfach auf die „Neuen Medien“.

Vordergründig eine einfache Formel, um quasi mit  jedem Format einen dicken Buzz zu verursachen. So einfach ist es aber nicht, denn das Format muss offenbar von Meinungsführern zuvor geadelt werden. Etwa, indem Medien wie Spiegel Online humorig darüber berichten, anstatt wutentbrannten Feuilletonisten das Feld zu überlassen. Denn erst dann steigen auch jene in die Diskussionen ein, die es vorher verschwiegen hätten, um öffentlich lieber über den Fall Snowden zu diskutieren – und die sorgen für Reichweite.

Smalltalk im Social Web

Über die Jahre wurde das Dschungelcamp also vom Trashformat zu einer Sendung, die Fernsehdeutschland durch alle Schichten hindurch auf dem Marktplatz des 21. Jahrhunderts vereint: dem Social Web. Hier gelten immer noch dieselben Mechanismen wie in der guten alten analogen Zeit: Klatsch und Tratsch sind der soziale Kitt menschlicher Gruppen. Der muss gewährleistet sein – immerhin basiert unser gesellschaftliches und auch wirtschaftliches System auf einem Miteinander. Um dieses immer mal wieder neuzuordnen, muss ab und an mal „Smalltalk“ gehalten werden.  Die Fußball Bundesliga funktioniert bestens unter Männern. Germany‘s Next Topmodel hervorragend in Frauengruppen. Aber was, wenn es Geschlechter übergreifend sein muss? Mit dem Dschungelcamp macht man da nichts falsch – das Thema ist kommunikativ ungefährlich und verbindet. Es wird sich gemeinsam gegen etwas positioniert. Egal ob Larissa Marlot, Michael Wendler oder Mola Adebisi.

Genau so ist es auch im Social Web. Sich mal gepflegt über die Allüren von Larissa zu mokieren, erntet auf allen Kanälen Zuspruch. Weder macht sich der Lästernde angreifbar, noch begibt er sich auf politisch dünnes Eis.

Dschungelcamp: Zahlen lügen nicht

Vergleichen wir die Zahlen aus dem „Second Screen-/ Social Media-Revolutionsjahr 2013“ mit denen des jungen TV-Jahres 2014, dann werden diese Fakten überdeutlich. So schreibt Mediacom: „So ist allein die Diskussion auf Twitter unter dem Hashtag ‚IBES‘ schon jetzt höher als der gesamte Social Buzz (Facebook und Twitter zusammen) des Jahres 2013 zu Formaten wie Circus HalliGalli (136.061 Postings), Wetten, dass…? (126.828 Postings) oder GNTM (120.300 Postings).“ Wir sehen: alles Formate, die keine allzugroßen Meinungsverwerfungen provozieren, sondern als „leichte Unterhaltung“ zu kategorisieren sind. Und das Dschungelcamp ist ihr König.

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