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Das diebische Krümelmonster – PR, die mehr als einen Scherz-Keks verdient?

Date Posted: 1 Februar, 2013

Diese Aktion ist mal so gar nichts für Oskars Mülltonne: Wer wie ich in einer PR- und Marketingagentur arbeitet, stieß am Dienstag natürlich direkt auf das diebische Krümelmonster. Da mopste dieser zottelige Teil meiner Kindheit doch glatt den goldenen Leibniz-Keks – das Wahrzeichnen des Bahlsen-Konzerns. „Kurios“, denkt der Nicht-PRler; die PR-Nase riecht hingegen Lunte. PR-Aktion? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber was, wenn doch? Auch die letzten Bahlsen Schlagzeilen standen unter diesem Verdacht eine verkappte PR-Aktion zu sein. Allerdings nicht unbedingt im Positiven.

Falls es diesmal keine PR-Aktion sein sollte, hat Bahlsen immerhin schnell genug und vorbildlich reagiert. Sollte sich die Aktion doch als komplett geplante PR-Aktion herausstellen, könnte sie zur Blaupause für die mitunter am schwersten zu erfüllenden Eckpfeiler einer außergewöhnlich kreativen PR-Kampagne werden. Zudem vereint sie Guerilla-, Charity- und Social-Media-PR.

Nach dem perfiden Verbrechen ging das wirklich unterhaltsame „Bekennerschreiben“ nämlich nicht nur an Bahlsen – es ging auch an die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Die Forderung, alle Stationen im Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover mit Keksen zu versorgen, ist für sich stehend ein weiteres soziales Nicken wert. Regel 1: Unterhalten Sie Ihre Zielgruppe. Check.

Das virale Krümelmonster

PR
© Michael Thomas/HAZ/DPA

Der positive Nachrichtenwert (Journalisten wissen: Davon gibt es viel zu wenig) dieser Aktion wurde binnen Stunden in alle Redaktionen des Landes getragen. Auch Redakteure sind für Themen dankbar, die nichts mit Mord und Totschlag zu tun haben. Die Zeitungen und Portale, die nicht berichteten, konnte das Krümelmonster an seinen vier Fingern abzählen. Von den klassischen Medien ging’s in die sozialen Netzwerke. Aha – Stufe zwei einer modernen PR-Aktion: Schaffen Sie teilbare Inhalte. Check. Ein nicht kleiner Teil meiner Facebook-Freundesliste nutze diese Woche das Bild des Krümelmonsters mit Leibniz-Keks als Avatar. Ganz davon abgesehen, dass die Artikel diverser Nachrichten-Seiten zuhauf geteilt wurden. Bahlsen, immer wieder #Bahlsen. Wie ein Keks-Virus. Die Viralität – der Traum aller PR-Profis – ist enorm. Denn mal ehrlich: Wer von Ihnen nahm in den letzten Monaten bewusst Bahlsen und seine Produkte wahr? Es sei denn, Sie sind von Haus aus passionierter Keks-Freund. Diese riesige Coverage, ganz ohne Mailings, teure Events und aufreibenden Personaleinsatz. Und jetzt schaffen die User auch noch eigenen Content – unter anderem eine eigene Facebook-Seite für den krümeligen Robin Hood 2.0.

Am Mittwoch folgte dann eine wiederum sehr sympathische offizielle Aktion seitens Bahlsen: „Liebes „Krümelmonster“, wie dir sicherlich bekannt ist, engagiert sich das Unternehmen Bahlsen bereits seit Jahrzehnten in vielfältiger Weise im sozialen Bereich. Wir versprechen unseren Fans: Bahlsen spendet 52.000 Packungen Leibniz Kekse an 52 soziale Einrichtungen, wenn du uns unseren goldenen Keks wieder zurückbringst.“ Damit wurden direkt weitere Regeln erfüllt: Aktivieren Sie Emotionen. Seien Sie menschlich. Tun Sie Gutes und schreiben Sie darüber. Dazu gab es eine Grafik mit Bahlsen-Logo. Check. 5.850 Personen gefällt das. 1.650-mal wurde der Status geteilt. Das brachte Bahlsen neben vielen neuen „Fans“ auch große Sympathie. Heute Nachmittag folgte eines weitere Grafik: „We miss you…“ Darauf abgebildet: ein weiterer Keks. Ich würde zu gerne die Statistik der Facebook-Seite sehen…

Die Reichweite ist sogar interkontinental: Auch wenn die Sesamstraße und das Krümelmonster deutsch klingen – die Macher der Sesame Street und des Cookie Monster sitzen in den USA. Selbst dort machte der Keks-Coup Furore. Der offizielle Sesame Street-Twitter-Account nimmt es mit Humor: Das diebische Krümelmonster sei ein Hochstapler – das echte Cookie Monster wolle aber helfen, den Dieb zu finden. „Me no steal the golden cookie. But me willing to help find real cookie thief!” So schaffte es die Aktion auch auf usnews.com.

Gäbe es die Redewendung „Sich einen Keks freuen“ nicht schon – sie hätte in dieser Aktion ihre Ursprünge.

 

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