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Communicartoon #198: Fashion-Tech – Zukunftsmarkt oder Science-Fiction-Kino?

Date Posted: 22 Januar, 2016

Wearables sind kein neuer Trend. Smartwatches oder Fitness-Bänder sind etabliert. Außerhalb von Elektrofachmärkten sind Smartwatches, 3D-Brillen oder Solarzellen-Shirts aber eher Themen für die IFA oder die CES. Jetzt kommt Bewegung ins Thema: Auf der Fashion Week wird das Thema Wearables weitergedacht und in Berlin auf der #FASHIONTECH-Konferenz thematisiert.

Man schenkte mir mal ein T-Shirt, das auf der Brust eine visualisierte Equalizer-Anzeige aus Kunststoff hatte. Ging ich damit in einen Club, registrierten verbaute Dioden die Lautstärke der Musik und setzten das Wahrgenommene in Licht und Farben um. Witzig. Aber unbequem. Immerhin muss ich hier eine AA-Batterie unter dem T-Shirt mit mir rumtragen. Die kleinen Kabel tragen sich – gerade, wenn man tanzen will – nicht sonderlich vorteilhaft. In Berlin wird diese Idee nun deutlich professioneller umgesetzt.

Die Fusion zwischen Technik- und Modewelt verlief noch nie problemlos – ob es jetzt blinkende Schuhe sind oder das beschriebene Equalizer-T-Shirt. Am 20. Januar gab es im Berliner Kühlhaus aber Dinge zu sehen, die Hoffnung machen.

Mode- und Technologie-Branche müssen fusionieren

Die erste Erkenntnis: Mode und Technologie müssen verschmelzen. Wenn Technologie in Kleidung sichtbar wird, dann sollte dies dezent erfolgen. Niemand möchte rumlaufen, wie die Vorstellung eines Cyborgs aus den Kinderjahren des Science-Fiction-Kinos. Die Kategorie der Smartwatches hat diese Erkenntnis schon umgesetzt. Sahen die ersten Uhren-Generationen zumeist aus als kämen sie direkt aus dem Kaugummi-Automaten der ersten Enterprise, zeigen sich aktuelle Smartwatches eher im klassischen Design ohne aber altbacken auszusehen.

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Das wird dazu führen, dass Mode- und Technologiefirmen entweder auf dem Markt konkurrieren oder partiell zusammenarbeiten. Beiden Seiten kann man nur zu Zweiterem raten. Wie das aussehen kann, beweist aktuell der Automarkt: Nahezu jeder Automobilhersteller kooperiert mit einem Software-Unternehmen. BMW mit Samsung, VW mit LG, Ford ebenfalls mit Samsung. Fragt der Gatte die Gattin also demnächst nicht mehr nach seinem gebügelten Anzug, sondern, ob der Frack für die Gala mit dem neusten Softwareupdate versehen wurde? Was jetzt so witzig klingt, wird höchstwahrscheinlich irgendwann Realität.

Der Frack aus dem 3D-Drucker

Weitergedacht bedeutet das auch, dass wir zukünftig unsere Kleidung nicht mehr klassisch schneidern (lassen), sondern aus 3D-Druckern beziehen. Natürlich werden diese dann nicht mehr so heißen, sondern auf alle Lebensbereiche spezialisiert sein. Aber was spricht gegen die Vorstellung, dass Designer nur noch die Designs anbieten und wir selbst irgendwann unsere Garderobe live zuhause produzieren?

Das ist allerdings weit entfernte Zukunftsmusik. Zunächst werden sich beide Branchen darauf konzentrieren müssen, die „Fashion-Tech“ bequem und tragbar zu machen. Zudem muss ein Weg gefunden werden, diese Art Klamotten energiesparend und optimalerweise regenerativ zu konzipieren. Das letzte, was ich demnächst machen möchte, ist, meine Socken an eine weitere Steckdose hängen zu müssen.

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