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Brauchen wir Facebook überhaupt? Die Evolution sozialer Plattformen

Date Posted: 20 Dezember, 2013
Bild: wildcard

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wie immer eine gute Gelegenheit, einen Blick zurück zu werfen. Dabei wollen wir dieses Mal die Entwicklung sozialer Plattformen beleuchten. Dort hat sich nämlich einiges getan. Zum Beispiel im Bereich der Social-Media-Kommunikation für Unternehmen. So haben wir unlängst in einer Beitrags-Serie darüber gebloggt, dass sich Social Media nicht nur auf Facebook und Twitter beschränkt. Wir haben dabei andere Plattformen und Dienste unter die Lupe genommen, die für die eigene Community möglicherweise viel attraktiver oder passender sein können als die Fanpage beim Herrn Zuckerberg. In dieser Reihe haben wir auf die Unterschiede und Chancen hingewiesen, die Foursquare, Google+, Tumblr, Instagram, YouTube, Pinterest oder Xing einem Unternehmen als zusätzliche dialogische Felder bieten können.

PR ist Silber, werben ist Gold?

Betrachten wir die kommunikative Kraft der sozialen Netzwerke, sollten wir auch deren Werbe-Entwicklungen beobachten. Rührig sind auf diesem Feld natürlich Google+ und seine bewegte Tochter YouTube. So können zum Beispiel Anzeigen in Zukunft überall im Netz auf technischer Basis in Google+-Einträgen platziert werden. Das öffnet den Unternehmen die Chance, hinter der Werbung über die Google+ Plattform mit den Usern zu kommunizieren. Die Quintessenz daraus ist: Jeder Eintrag kann eine mögliche Webeanzeige sein, diese also nicht sofort als solche zu erkennen. Hier sehen wir die Gefahr, dass die Übergänge zwischen beidem fließender werden. Die Abgrenzung sollte daher aus der Unternehmens-PR heraus noch deutlicher gesetzt werden, damit sich PR-Inhalte nicht mit Werbung vermischt.

Googles Film-Plattform YouTube verdoppelt in diesem Jahr voraussichtlich ihre Werbeerlöse auf beinahe sechs Milliarden Dollar. Das ergab eine Analyse des Marktforschers Emarketer. Der Grund für den gewaltigen Anzeigen-Anstieg sei die wachsende Bedeutung mobiler Geräte besonders unter jüngeren Nutzern. Sie schauten dort vor allem Videos und seltener Fernsehen. Die Videokommentarfunktionen bei YouTube laufen mittlerweile auch über Google+. Sie sind also nicht wie in der Vergangenheit Äußerungen unbekannter, sondern jetzt personalisiert. Der Nutzen dieser neuartigen Funktion liegt darin, dass man nun Kommentare von Bekannten hervorheben kann. Ferner soll durch die De-Anonymisierung die Qualität der Kommentare gesteigert und dem gerade auf YouTube bekannten Kommentieren in Form von Beleidigungen und anderen, einer Netiquette nicht entsprechenden Form von Kommentaren Einhalt geboten werden.

Quo Vadis Facebook?

Und was passiert momentan bei Facebook? Dieses Netzwerk arbeitet stetig daran, herauszufinden, was dem User am wichtigsten ist. Dafür wurde eigens am Algorithmus geschraubt. So hat Facebook jüngst die Algorithmus-Faktoren in Bezug auf Fanpages verändert. Bei Social-Media-Managern von Unternehmen wurde gemutmaßt, dass nun weniger User das Posting einer Fanpage sehen. Schnell ging das Gerücht um, dass es sich hierbei um eine gezielte Maßnahme von Facebook handelt, mit dem Ziel dieWerbeeinnahmen mit Hilfe von gesponserten Postings zu steigern. Es kann aber entwarnt werden! Die Reichweite der einzelnen Posts hat sich durch die Veränderung nicht verringert – diese sind sogar gestiegen. Im Gegenteil dazu ist aber die Reichweite der Gesamtseite gesunken. Die Fans, die öfters mit der gelikten Seite interagieren, bekommen auf ihrer Timeline mehr Posts zu sehen, und diejenigen, die dort seltener agieren, bekommen die Posts seltener zu Gesicht. Dieses Modell kann dazu beitragen, eine echte Community auf der Fanpage aufzubauen. Bedeutet mehr Arbeit für denjenigen, der bis jetzt stoisch den Postingplan nach Datum abgearbeitet hat, bedeutet intelligentes Auseinandersetzen mit den bevorzugten Themen in der Community.

An dieser Stelle lohnt sich auch ein Blick hinüber zu Google+. Hier wurde mit der Funktion der„Kreise“, also der Möglichkeit seine Kontakte in unterschiedlichen Ebenen der Bekannt­heit einordnen zu können, von Anfang an darauf geachtet, Freunde und Marken nach Interesse einzuordnen. Das hat den Vorteil, nicht von einer Informationsflut erschlagen zu werden, sondern sich nach Interesse gezielt in den unterschiedlichen Kreisen zu bewegen.

Newcomer und Nachwuchstalente

Es gibt ganz Neues, wie Global Brain, dem wir noch einen eigenen Blogbeitrag widmen werden, Neueres, wie zum Beispiel Instagram und Pinterest und ganz lebendige Totgesagte, wie Foursquare. Instagram erfreut sich auch in Deutschland einer gleichbleibend überzeugten Anhängerschaft, was daran liegen mag, dass die App gekonnt drei Faktoren ausspielt: 1. Es gibt fast nur noch Smartphones mit guter Kameraausstattung, 2. Die App-Funktion macht aus jedem noch so unterbelichteten „Schlappschuss“ einen Könner-Schnappschuss, 3. Man kann dieses Werk instant, also sofort mit den Freunden teilen. Pinterest, das ist, wenn man den Medienberichten Glauben schenkt, die Pinwand für heiratswütige Hobbyköchinnen, die einen Hang zum um dekorieren der eigenen vier Wände haben. Mag sein, dass man von dieser Spezies dort besonders viele Vertreterinnen findet. Aber gerade auch in Deutschland weckt das Prinzip der Zusammenstellung und Neusortierung von bildreichen Inhalten auch bei Marken die Neugier auf mehr. Wir bei wildcard, erwarten hierzu im kommenden Jahr zumindest noch einige Neuigkeiten. Bis dahin raten wir allen Unternehmen, eine Grundhaltung zum Thema Bildrechte zu entwickeln.

Und, auch Totgesagte leben. Das medial oft ausgegrenzte Geonetzwerk Foursquare lebt, ob es wächst und auch in 2014 überlebt, wird sich zeigen. iBeacons von Apple (der Gegenentwurf zum Near Field Communications Chip) mag ein kleiner Schubser sein, um Menschen zu ermöglichen, sich auch bei Foursquare öfter einzuloggen.

Welche Plattformen im kommenden Jahr auch im Trend liegen werden und wie die Entwicklung der Netzwerke weitergeht – eines hat sich dieses Jahr bestätigt: Soziale Medien sind auch 2014 für Unternehmen nicht mehr aus dem Kommunikations-Alltag wegzudenken. Sie werden im Gegenteil ein wichtigerer Baustein in der PR-Strategie. Facebook allerdings entwickelt sich auch stetig weiter – das beweist das Unternehmen auch mit der neuen Messenger-App.

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