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Blogger und Entscheider im Interview – Teil 9: Falk Hedemann / falkhedemann.de

Date Posted: 22 April, 2014
Falk Hedemann / falkhedemann.de

Unsere Se­rie Blog­ger und Ent­schei­der im Inter­view geht in die nächste Runde: Seit Anfang 2014 stel­len wir Blog­gern und Unter­neh­mens­spre­chern Fra­gen rund um das Thema Blog­ger Rela­ti­ons. Nach und nach erge­ben die Ant­wor­ten bei­der Sei­ten wich­tige Erkennt­nisse, wie Blog­ger und Unter­neh­men näher zusam­men­rü­cken kön­nen. Ziel unse­rer Serie ist es, einen Sta­tus Quo in Sachen Blog­ger Rela­ti­ons im Jahr 2014 fest­zu­hal­ten. Wei­ter unten fin­det Ihr auch die vor­he­ri­gen Inter­views aufgelistet.

 

 

 

Vor­schläge für Gast­au­to­ren neh­men wir gerne ent­ge­gen, unter welcome@wildcard-communications.de

In Teil 9 im Interview: Falk Hedemann, Gründer und Autor von www.falkhedemann.de

Viel Spaß beim Lesen.

1. Werden Sie von Unternehmen regelmäßig im Rahmen von Blogger Relations angesprochen?

Ja, definitiv und zwar gleich in beide Richtungen. Zum einen werde ich vermehrt als Blogger angesprochen, zum anderen auch um Hilfe zum Thema Blogger Relations gebeten. Ich schaue mir also regelmäßig beide Seiten an und sehe da seit einigen Monaten einen klaren Aufwärtstrend. Mehr und mehr Unternehmen erkennen die Chancen und Möglichkeiten, die in einer Zusammenarbeit mit Bloggern liegen und möchten zum Teil sehr unterschiedlich nutzen.

2. Welche persönlichen Erfahrungswerte gibt es im Umgang und der Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Meine persönlichen Erfahrungen fallen sehr unterschiedlich aus. Es gibt leider noch immer recht viele sehr unspezifische Anfragen, die ich sehr offensichtlich nur deshalb bekomme, weil ich mir eine gewisse Sichtbarkeit und Reichweite erarbeitet habe. Dass mir dies aber vor allem auch deshalb gelungen ist, weil ich einen thematischen Fokus entwickelt habe, scheint dagegen nicht von Interesse zu sein. Das ist nicht nur schade, weil es mir zeigt, dass sich das anfragende Unternehmen nicht intensiv mit mir als Person beschäftigt hat, sondern auch nicht sonderlich zielführend. Schließlich erwartet das Unternehmen ja etwas von mir, nämlich dass sie von meinem Einfluss profitieren können – nur ist das ja kein allgemeiner Einfluss, sondern ein sehr spezieller, auf meinen Themenbereich fokussierter Einfluss. Würde ich etwas über einen Reiseveranstalter oder einen Anbieter aus der Lebensmittel- oder Fashionbranche schreiben, würde ich deren Zielgruppe damit nur schwer erreichen können. Zumal sich diese Inhalte doch sehr stark von meinen sonstigen Themen abheben würden und damit leicht als Werbung und PR eingestuft werden könnten – zurecht übrigens.

3. Was ist der größte Fehler von Unternehmen im Umgang und Dialog mit Bloggern?

Neben der eben schon angesprochenen falschen Selektion, ist oft die Ansprache verbesserungswürdig. Blogger mögen es in der Regel nicht, wenn man sie gleich beim Erstkontakt ohne Vorwarnung anruft. Viele Blogger gehen einer normalen Arbeit nach und können tagsüber gar nicht mit Unternehmen über ihren Blog reden. Besser ist da eine einführende E-Mail, in der die Anspruchsperson sich und das Unternehmen vorstellt und möglichst klar formuliert, um was es bei der Anfrage geht. Leider kommt es immer noch vor, dass Unternehmen sehr fordernd und offensiv auftreten. Dabei möchte das Unternehmen ja etwas von dem Blogger und nicht umgekehrt – auch wenn den Bloggern ein Benefit angeboten wird, beispielsweise ein Testprodukt oder die Übernahme von Reisekosten/Übernachtung bei einem Event. Die Unternehmen sollten sich hier ruhig daran orientieren, wie sie mit Journalisten umgehen. Da würde auch niemand auf die Idee kommen einen positiven Artikel über die Marke zur Pflicht zu machen (von Advertorials und ähnlichen Formaten mal abgesehen, aber die sind schließlich auch bezahlt).
Und dann ist da noch die Frage nach den den Besuchszahlen des Blogs. Die Zusammenarbeit mit Bloggern bietet so viel mehr als es die Webstatistik auszusagen vermag. Wer einen interessanten Blog gefunden hat, fragt sich beim Lesen ja auch nicht, wie viele Mitleser es gibt, es kommt auf die Inhalte, deren Qualität und die Schreibe des Bloggers an.
Wer also ernsthaft Beziehungen zu Bloggern aufbauen möchte, sollte ihnen einen Gegenwert für ihre Zeit anbieten, Forderungen verbieten sich.

4. Wenn Sie Unternehmensvertreter wären: Was würden Sie tun, um die Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Unternehmen weiter zu stärken?

Ach, da gibt es viele schöne Möglichkeiten. Ich glaube das Wichtigste ist zunächst die Signalisierung einer Dialogbereitschaft. Nur wer die Blogger wirklich ernst nimmt, ihnen zuhört, ihnen Fragen stellt und dann auch die Antworten mit ihnen diskutiert, wird eine nachhaltige Beziehung aufbauen können, von der letztlich beide Seiten profitieren können – und um nichts anderes geht es schließlich. Oft haben die Blogger aber sehr schnell das berechtigte Gefühl lediglich für PR- und Werbemaßnahmen ausgenutzt zu werden. Erst wenn diese Klippe genommen ist, kann das Unternehmen über eine weitere Zusammenarbeit nachdenken. Was sich da dann genau anbietet, hängt maßgeblich vom Unternehmen und dessen Produkte ab.

5. Wie sollte die Ansprache aussehen? Worauf ist besonders von Unternehmensseite aus zu achten, wenn mit Blogger Relations gestartet werden soll?

Wichtig sind eine klare Zielsetzung und eine entsprechende Planung. Das schließt vor allem die Installation einer Person ein, die für die Blogger Relations verantwortlich ist und alle dazugehörigen Dinge regelt. Nichts ist für die Blogger schlimmer als ständig wechselnde Ansprechpersonen, die dann unter Umständen noch nicht mal ihre Fragen beantworten können.

6. Der größte Segen der Einbindung von Blogger Relations in die Kommunikation ist meiner Meinung nach…

…die Chance auf authentische Erweiterung der Sichtbarkeit. Blogger, die über eine Marke berichten, tun dies in der Regel auf ein sehr spezielle Art und Weise, die authentisch und ehrlich ist. Das beinhaltet auch eine kritische Sichtweise, die die Unternehmen dann aushalten müssen. Wenn das Produkt nicht gut genug ist, um eine faire Beurteilung zuzulassen, sollte das Unternehmen es zunächst nachbessern. Blogger sprechen eine eigene Sprache, die eine bestimmte Zielgruppe anspricht. Diese Zielgruppe kann in vielen Fällen kaum anders erreicht werden, weil sie den traditionellen Medien nicht trauen und Werbung nicht mögen.

7. Der größte Fluch der Einbindung von Blogger Relations in die Kommunikation ist meiner Meinung nach…

…der Versuch die Blogger zu instrumentalisieren. Das geht in der Regel schief und führt statt zum gewünschten schnell zum gegenteiligen Ergebnis.

8. Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Blogger? Was haben Blogs in Ihren Augen erreicht?

Die Blogger haben das Web demokratisiert und dabei zugleich die Meinungshoheit der Journalisten aufgehoben. Sie sind neben den traditionellen Medien zu einer weiteren relevanten Informationsquelle geworden, die oft sogar schneller berichtet. Authentizität und Objektivität sind zwei weitere Pluspunkte, die Blogger für sich beanspruchen können.

9. Wo sehen Sie die Blogosphäre in Bezug auf Reichweite und Einfluss in 1-3 Jahren in Deutschland?

Der Einfluss wird weiter wachsen, so viel scheint klar, aber wie schnell und wie weit das gehen wird, wage ich nicht zu orakeln. Vieles wird sich professionalisieren (müssen) und dazu gehören auch die Blogger Relations. Übrigens können nicht nur die Unternehmen noch besser in ihrem Beziehungsmanagement werden, auch die Blogger haben ihren Teil dazu beizutragen. Wer von Unternehmen für einen Produktbericht Geld verlangt, spielt nicht nur mit der Beziehung zum Unternehmen, sondern vor allem mit der Beziehung zu den eigenen Lesern. Die erwarten eine ehrliche und möglichst objektive, zumindest aber transparente Berichterstattung. Bekommen sie diese nicht, wandern sie schnell ab und der Blogger verliert seine wichtigste Währung.

10. Was möchten Sie Unternehmensvertretern gerne mit auf den Weg geben?

Nehmt die Blogger Relations nicht auf die leichte Schulter. Wer Werbung schalten möchte, sollte entsprechende Formate wie Google Ads oder Facebook Ads wählen. Natürlich kann auch in den Blogs Werbung geschaltet werden, nur ist das dann eine völlig andere Art der Beziehung. Das muss nicht schlecht sein, verfolgt aber ein anderes Ziel.
Blogger sind in erster Linie Menschen. Sie sind an langfristigen Beziehungen interessiert und nicht an One-Night-Stands. Das funktioniert aber nur, wenn beide Seiten von der Beziehung profitieren. Hier werden Unternehmen zunächst in Vorleistung gehen müssen. Machen sie ihre Sache gut, werden sie etwas zurückbekommen.

falkhedemann.de widmet sich den Bereichen Social Media, Social Web, Startups, Netzwelten und vernetztem Arbeiten.

Teil 8: Camillo Pfeil / imaedia.de

Teil 7: Sascha Pietsch / horstson.de

Teil 6: Romy Mlinzk /snoopsmaus.de

Teil 5: Carsten Knobloch/ stadt-bremerhaven.de

Teil 4: Sachar Kriwoj / GLOSSYBOX

Teil 3: Maik Matischak / AMD

Teil 2: Kai van Heldth / Heldth.com

Teil 1: Milos Willing / Trendlupe.de

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