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Blogger und Entscheider im Interview – Teil 8: Camillo Pfeil / imaedia.de

Date Posted: 31 März, 2014
Bild: Camillo Pfeil / imaedia.de

Unsere Se­rie Blog­ger und Ent­schei­der im Inter­view geht in die nächste Runde: Seit Anfang 2014 stel­len wir Blog­gern und Unter­neh­mens­spre­chern Fra­gen rund um das Thema Blog­ger Rela­ti­ons. Nach und nach erge­ben die Ant­wor­ten bei­der Sei­ten wich­tige Erkennt­nisse, wie Blog­ger und Unter­neh­men näher zusam­men­rü­cken kön­nen. Ziel unse­rer Serie ist es, einen Sta­tus Quo in Sachen Blog­ger Rela­ti­ons im Jahr 2014 fest­zu­hal­ten. Wei­ter unten fin­det Ihr auch die vor­he­ri­gen Inter­views aufgelistet.

Vor­schläge für Gast­au­to­ren neh­men wir gerne ent­ge­gen, unter welcome@wildcard-communications.de

In Teil 8 im Interview: Camillo Pfeil, Gründer und Autor von www.imaedia.de und www.worldtravlr.de.

Viel Spaß beim Lesen.

 

1. Werden Sie von Unternehmen regelmäßig im Rahmen von Blogger Relations angesprochen?

Ja. Besonders in diesem Jahr haben viele Unternehmen Blogger Relations für sich entdeckt und sind vermehrt auf mich zugekommen. Mal gut, mal weniger gut…

2. Welche persönlichen Erfahrungswerte gibt es im Umgang und der Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Wie oben bereits erwähnt, ist die Zusammenarbeit zwischen Blogger und Unternehmen nicht immer ganz einfach bzw. man spricht nicht auf Augenhöhe. So habe ich in diesem Jahr sowohl schlechte als auch gute Erfahrungen gemacht. Ein Teil der Industrie sieht den Blogger zum Teil nur als billige „Contentrampe“, „Linkschleuder“ oder Werbeplattform, ohne wirklich an dem Blog oder der Person dahinter interessiert zu sein. Andere wiederum haben begriffen, worum es beim Bloggen geht. Suchen auch den Kontakt und betreiben Dialog auch außerhalb von Werbemaßnahmen oder Veranstaltungen. Sie pflegen ein gutes Verhältnis zu mir, legen Wert auf meine Meinung und binden mich aktiv in ihre Kommunikation ein.

3. Was ist der größte Fehler von Unternehmen im Umgang und Dialog mit Bloggern?

Da gibt es einige. Bevor Unternehmen auf einen Blogger zugehen, sollten sie sich intensiv mit einem Blog beschäftigen. Anders als bei großen Redaktionen ist der Blog oft nur eine One-Man/Woman-Show, in die sehr viel Herzblut, Fleiß, Energie und Zeit fließt. Der Blog ist in vielen Teilen man selbst. Findet hier eine unzureichend gewürdigte Ansprache statt fühlt man sich halt verletzt bzw. „verarscht“ und nicht ernst genommen. In der Ansprache sollte man erkennen, dass sich das Unternehmen wirklich mit dem Blog befasst hat und die Leistung derjenigen Person wertschätzt. Man könnte es fast mit einer Art Bewerbung gleichsetzten. Auch hier schreibt man nicht an jedes Unternehmen die gleiche Bewerbung und tauscht nur den Namen aus.

4. Wenn Sie Unternehmensvertreter wären: Was würden Sie tun, um die Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Unternehmen weiter zu stärken?

Wertschätzung und Dialog auf Augenhöhe. Das sind für mich zwei sehr wichtige Punkte im Bereich Blogger Relations. Das wichtigste voran: Investieren sie Zeit und lesen sie regelmäßig die Blogs, die sie für ihre Kampagnen etc. einbinden möchten. Darüber erfahren sie, was die jeweilige Person bewegt, welche Interessen sie hat und was eventuell interessant sein könnte. Ebenso ist Dialog eine wichtige Komponente. Und dieser Dialog sollte auch auf Plattformen stattfinden, die der Blogger täglich nutzt. So ist Facebook ein gutes Mittel, um mit dem Blogger schnell und unkompliziert in Kontakt zu treten oder sich auszutauschen. Dies sollte aber mit jedem Blogger einzeln ausgelotet werden. Am besten erstellt man sich hierfür Listen in denen man aufschreibt, welchen Kommunikationsweg der Blogger bevorzugt. In diesem Sinne ist es auch wichtig Blogger Relations nicht nur als „Abfallprodukt“ der Kommunikation zu sehen, sondern auch Ressourcen hierfür bereit zu stellen. Denn wer wirklich gute Blogger Relations betreiben möchte braucht Zeit.

5. Wie sollte die Ansprache aussehen? Worauf ist besonders von Unternehmensseite aus zu achten, wenn mit Blogger Relations gestartet werden soll?

Wer schon mit dem falschen Geschlecht mit der Tür ins Haus fällt, der hat gleich verloren. Dann weiß ich nämlich, dass man sich überhaupt nicht mit dem Blog auseinander gesetzt hat. Ob Nachname oder Vorname muss jeder für sich entscheiden. Finde ich beides in Ordnung. Ein „Sehr geehrte(r)“ kann aber gerne wegbleiben. Ansonsten sollte man im Anschreiben ehrlich sein und sich erst einmal herantasten. Das Produkt bzw. die Idee kurz vorstellen und anfragen, ob der Blogger Interesse an einer Kooperation hat. Oft bringt der Blogger noch eigene Ideen mit ein, denn er kennt seine Leser bzw. sein Publikum am besten und weiß, welche Formate bzw. Geschichten interessant sind. Eine plumpe Aufforderung zur Veröffentlichung des Pressetextes landet zumeist direkt im virtuellen Papierkorb.

6. Der größte Segen der Einbindung von Blogger Relations in die Kommunikation ist meiner Meinung nach…

Eine authentische und ungezwungene, sowie fachlich sehr gute Berichterstattung. Neben einem normalen Berufsjournalisten ist der Blogger oft nur auf ein Thema spezialisiert und kennt sich hier gut aus. Er geht mit Leidenschaft an die Sache heran und beleuchtet ein Produkt nach ganz anderen Gesichtspunkten. Jedoch ist auch im letzten Jahr hier ein Trend zu erkennen, der den Blogger im Allgemeinen in ein anderes Licht rücken könnte. Denn im Gegensatz zu beispielsweise Magazinen, Zeitschriften, etc. werden Blogger eben als Blogger gesehen und in ihrer Gesamtheit beurteilt. Hier sollte eine klare Differenzierung der Persönlichkeiten stattfinden und quasi jeder Blogger als Individuum gesehen werden. Was das Image des Bloggers zunehmend in meinen Augen belastet, ist die Schere zwischen „professionellem“ und dem noch wirklich „authentischen/hobbymäßigen“ Bloggen. Zudem sind in der letzten Zeit auch viele Blogs aus dem Boden geschossen, die eben gleich schon mit einem Businessplan aus der Versenkung kommen und das ganze kommerzialisierter betrachten. Klar kann ein Blogger nicht nur von Luft und Liebe leben und es ist gerechtfertigt, dass er irgendwie bezahlt wird. Aber seine Meinung und Interessen sollte man dennoch nicht verkaufen. Die Person hinter einem Blog sollte für etwas stehen, dass er/sie auch selber verkörpert.

7. Der größte Fluch der Einbindung von Blogger Relations in die Kommunikation ist meiner Meinung nach…

Ich denke es gibt keinen Fluch in Punkto Blogger Relations, sofern man es nur richtig macht. Hierzu zählen einfach Geduld und Ausdauer. Ein Blogger ist sein eigener Herr und veröffentlicht das, was er für richtig hält und auch der Zeitpunkt ist flexibel. Viele Blogger gehen der Bloggerei in dem Sinne als professionellem Hobby nach, haben in der Regel aber noch einen Hauptjob, da sie vom Bloggen nicht leben können oder es vielleicht auch gar nicht wollen. Vor diesem Hintergrund betrachtet erscheint ein Artikel von Blogger X auch nicht immer zeitnah, sondern kann sich auch um zwei Wochen verschieben. Der tatsächlich aber größte Fluch, wenn man ihn so bezeichnen möchte, ist die Diskussion um Reichweite, Messbarkeit, ROI, etc. Klar, Magazine haben ihre Auflage und werden daran gemessen. Aber auch hier gibt es theoretisch Probleme. Wie viel der Auflage wird tatsächlich verkauft und wie viel der Auflage landet im Müll oder wird verschenkt? Die Dunkelziffer ist hier sicherlich sehr hoch. Zudem ist es intransparent, wie viele Leser tatsächlich Artikel X gelesen haben. Hier lässt ich bei Blogs auch eine detailliertere Auswertung anstellen. Denn ich kann genau ausgeben, wie viele Leser welchen Beitrag gelesen haben und je nachdem auch noch die Verweildauer auf dem jeweiligen Artikel (abhängig natürlich vom jeweiligen Dienstleister oder Messinstrument). So ein Blogartikel bleibt im Netz bestehen, wird gut geranked und ist auf Lebzeiten auffindbar. Welcher Zeitungsartikel kann das schon von sich behaupten, außer in einem verstaubten Archiv wieder ausgegraben zu werden?

8. Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Blogger? Was haben Blogs in Ihren Augen erreicht?

Erringen wollten wir sicherlich nichts. Aber die Blogger haben eine starke Stimme im Netz gefunden und die Medienlandschaft bereichert und nachhaltig verändert. Sie gehen offener mit Themen um und sind zum Teil auch kritischer als der Rest. Beispielhaft möchte ich hier mal Fabian Mechtel (asphaltfrage.de) nennen, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich nicht vor der Industrie fürchtet. Wenn ihm was nicht gefällt wird dies auch nicht relativiert, sondern als Faktum präsentiert. Auch finde ich haben die Blogger einen „Mehrwert“ geschaffen. Wo sonst nur Pressebilder existierten, gibt es jetzt unzähliges Material vom Unboxing eines neuen Produktes bis zur unendlichen Detailfotografie. Ein Kunde kann sich wesentlich detaillierter informieren und das Produkt quasi schon im Vorfeld erleben und sich über alle Einzelheiten informieren. Zudem machen es auch gerade die Autoblogger einem leicht die verschiedenen Meinungen zu finden, denn sie sind gut vernetzt und verlinken sich gegenseitig. In anderen Bereichen hat sich diese Mentalität noch nicht verbreitet, sondern hier ist eher das Ellenbogenprinzip angesagt. Was Blogger aber auch noch geschafft haben, ist Transparenz in das Dunkel der einstigen Presse zu bringen, was aber auch zu unserem Nachteil geführt hat. Da Blogger nun mal kommunikative Menschen sind posten sie, dass sie gerade in einem super geilen Hotel sind. Und uns wird dann unterstellt, dass wir käuflich wären. Verrückte Welt. Dabei ist das Hotel für viele nur ein adäquater Ersatz für zu Hause, in dem sie einen großen Teil ihrer Tätigkeit verbringen.

9. Wo sehen Sie die Blogosphäre in Bezug auf Reichweite und Einfluss in 1-3 Jahren in Deutschland?

Bereits in diesem Jahr war ein deutlicher Anstieg der Reichweiten zu sehen, auch wenn wir von denen in Amerika sicherlich immer noch weit entfernt sind. Doch die Zusammenarbeit mit der Industrie zeigt, dass Blogger ernst genommen werden und ihre Stimme Gewicht hat. Blogger sitzen bei der Fashion Week in der ersten Reihe, werden zu Produktneuvorstellungen oder den wichtigsten Messen, zu Destinationsvorstellungen oder im Fall der Autohersteller zu Fahrveranstaltungen eingeladen. Allerdings sind Blogs in vielerlei Hinsicht auch einer starken Fluktuation unterworfen. In Zukunft wird sich denke ich ein deutlicher Kern derer herausbilden, die mit Leidenschaft und Ehrgeiz dabei sind, und jene, die nur für den Profit arbeiten oder mit der Einstellung heran gehen eingeladen zu werden, unter den Tisch fallen. Denn wie mein ehemaliger Chef Uwe Knaus zu sagen pflegte:  Wo Blog draufsteht, sollte auch Blog drinnen sein.

10. Was möchten Sie Unternehmensvertretern gerne mit auf den Weg geben?

Investieren Sie Zeit und haben Sie Geduld. Wenn Sie für Ihr Unternehmen einen neuen Mitarbeiter suchen wählen Sie ja auch nicht den erstbesten aus sondern befassen sich intensiv mit den Kandidaten bzw. wählen sie aus und beschäftigen hier zum Teil eigens Personal, was sich nur um solche Angelegenheiten kümmert. Ebenso sollte man auch Blogger Relations sehen. Es ist nichts, was man mal eben nebenbei macht. Sondern es braucht jemanden, der für die Thematik Verständnis hat und sich auch intensiv um die Beziehungen zu den Bloggern kümmern kann. Denn nicht nur die Auswahl des richtigen Bloggers benötigt Zeit sondern auch die fortlaufende Betreuung dieses Bloggers. Dies beinhaltet nicht nur das Lesen des Blogs sondern auch ab und an mal ein kurzes persönliches Gespräch.

Imaedia.de widmet sich den Themen Technik, Lifestyle, Unterhaltung und Apple-Produkten.

Teil 7: Sascha Pietsch / horstson.de

Teil 6: Romy Mlinzk /snoopsmaus.de

Teil 5: Carsten Knobloch/ stadt-bremerhaven.de

Teil 4: Sachar Kriwoj / GLOSSYBOX

Teil 3: Maik Matischak / AMD

Teil 2: Kai van Heldth / Heldth.com

Teil 1: Milos Willing / Trendlupe.de

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