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Blogger und Entscheider im Interview – Teil 7: Sascha Pietsch / horstson.de

Date Posted: 21 März, 2014
Bild: Sascha Pietsch

Unsere Se­rie Blog­ger und Ent­schei­der im Inter­view geht in die nächste Runde: Seit Anfang 2014 stel­len wir Blog­gern und Unter­neh­mens­spre­chern Fra­gen rund um das Thema Blog­ger Rela­ti­ons. Nach und nach erge­ben die Ant­wor­ten bei­der Sei­ten wich­tige Erkennt­nisse, wie Blog­ger und Unter­neh­men näher zusam­men­rü­cken kön­nen. Ziel unse­rer Serie ist es, einen Sta­tus Quo in Sachen Blog­ger Rela­ti­ons im Jahr 2014 fest­zu­hal­ten. Wei­ter unten fin­det Ihr auch die vor­he­ri­gen Inter­views aufgelistet.

Vor­schläge für Gast­au­to­ren neh­men wir gerne ent­ge­gen, unter welcome@wildcard-communications.de

In Teil 7 im Interview: Sascha Pietsch, Gründer und Autor von www.horstson.de

Viel Spaß beim Lesen.

 

1. Werden Sie von Unternehmen regelmäßig im Rahmen von Blogger Relations angesprochen?

Ja, obwohl wir eher als klassisches Medium wahrgenommen werden.

2. Welche persönlichen Erfahrungswerte gibt es im Umgang und der Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Da wir professionell und respektvoll im Umgang mit allen Kontakten agieren, sind die Erfahrungen überwiegend gut. Und wir sind als Blog mit „Fachleuten“ aus der Mode und aus der Kommunikation besser als andere Blogs aufgestellt. Das spricht sich herum.

3. Was ist der größte Fehler von Unternehmen im Umgang und Dialog mit Bloggern?

Das klassische „Blogger-Event“, bei dem ein Haufen Blogger und ein noch viel größerer Haufen Cupcakes in einen Raum eingesperrt werden und erst wieder rausgelassen werden, wenn jeder die Hashtags in- und auswendig aufsagen kann. Man sollte die guten Blogger identifizieren und ernst nehmen. Dazu gehört, keine seltsamen oder unseriösen Angebote zu machen und bloß keinen Linktausch anbieten. Seltsam ist auch, dass Unternehmen und Blogger sich per se mit „Du“ ansprechen … kein Unternehmen dieser Welt würde einem anderen Medium eine Mail mit der Ansprache „Hey Du!“ schreiben. Und die Unternehmen sollten ganz klar kommunizieren, was als Gegenleistung erwartet wird und wie die Leistung (Einladung, etc.) aussieht.

4. Wenn Sie Unternehmensvertreter wären: Was würden Sie tun, um die Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Unternehmen weiter zu stärken?

Ganz klar: weg von der Beliebigkeit und vollmundigen Blogger-Eigenaussagen. Ich würde stärker selektieren. Nicht alle Blogs sind für alles der richtige Werbeträger, nur weil sie das von sich behaupten. Ergo: Langfristig die Blogs verfolgen und nicht nur kurz überfliegen.

5. Wie sollte die Ansprache aussehen? Worauf ist besonders von Unternehmensseite aus zu achten, wenn mit Blogger Relations gestartet werden soll?

Unternehmen wie auch Blogger sollten sich die andere Seite genau anschauen und überlegen, ob das, was auf dem Blog kommuniziert werden soll, wirklich zum gesamten Blog passt und ob die Leser wirklich die richtige Zielgruppe sind. Was nützt es dem werbenden Unternehmen, wenn ein Rolls Royce auf einem Blog präsentiert wird, wo sonst nur Gebrauchtwagen auftauchen?

6. Der größte Segen der Einbindung von Blogger Relations in die Kommunikation ist meiner Meinung nach …

Dass manche Blogger es tatsächlich hinbekommen, auf ihren Blogs regelmäßig Substanz und Unterhaltung für Modeverrückte und solche, die es noch werden wollen, zu posten.

 7. Der größte Fluch der Einbindung von Blogger Relations in die Kommunikation ist meiner Meinung nach …

Leider ist es zum Teil eine Selbstüberschätzung einiger Blogger und, wie schon oben erwähnt, die Blogger-Events.

8. Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Blogger? Was haben Blogs in Ihren Augen erreicht?

Deutsche Blogs haben erreicht, Vertikale oder auch Konfektionäre wie H&M groß zu machen. Der enorme Marktanteil zeugt davon. Ob das eine positive Errungenschaft ist, wage ich zu bezweifeln. Und viele Leute, die beruflich noch nicht so richtig in den Gängen sind, verdienen ihr Geld auch damit, sich vor die Karren und für die Interessen von Hinz & Kunz einspannen zu lassen.

9. Wo sehen Sie die Blogosphäre in Bezug auf Reichweite und Einfluss in 1-3 Jahren in Deutschland?

Es ist wie eine Ehe – die Schmetterlinge sind weg, es tritt Ernüchterung ein und die Spreu trennt sich vom Weizen. Der Blog ist nicht mehr das Nonplusultra. Es werden sich einige Blogs durchgesetzt haben, andere verlieren an Relevanz. Es wird sich ein Blog-Establishment gebildet haben, die „wilden“ Blogs, also die Blogs, die anfangs für den Zauber der Blogs gesorgt haben, treten weiter in den Hintergrund bzw. sind vollends durch-kommerzialisiert. Style-Blogs, die nach dem Motto „Hey-guckt und staunt wie toll ich heute aussehe!“ werden fast vollkommen aus dem deutschsprachigen Raum verschwunden sein und einige Agenturen werden sicher nicht müde, die deutsche Antwort einer Chiara Ferragni zu suchen. Die können sich die Mühe und Zeit übrigens sparen – das funktioniert nicht in Deutschland, die Leser (also im Endeffekt die Konsumenten) wollen hier was anderes: Uniqueness und keine Blaupause.

Andere Blogs, also die Blogs, die sich seriös (was auch immer das im Einzelnen zu bedeuten hat) mit dem Produkt auseinandersetzen, werden sich im Wettbewerb um den Leser behaupten.

Ich halte übrigens nichts von der Idee, dass Blogger die neuen Journalisten sind. Ich glaube das wollen sie auch nicht sein. Sie sind eine Form des Informationsgebers. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

10. Was möchten Sie Unternehmensvertretern gerne mit auf den Weg geben?

Blogger-Realtions gehören nicht in Praktikantenhände. Vergessen Sie bitte alles, was Sie an Blubberblasen von Bloggern erlebt haben, suchen Sie nach den guten und relevanten Blogs und gehen Sie mit diesen Bloggern genau so sorgfältig um, wie mit anderen Medienvertretern.

Horstson.de ist ein Blog für die Themenbereiche Mode, Möbel sowie Musik und richtet sich an ein männliches Publikum.

Teil 6: Romy Mlinzk /snoopsmaus.de

Teil 5: Carsten Knobloch/ stadt-bremerhaven.de

Teil 4: Sachar Kriwoj / GLOSSYBOX

Teil 3: Maik Matischak / AMD

Teil 2: Kai van Heldth / Heldth.com

Teil 1: Milos Willing / Trendlupe.de

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