News & views

Blogger und Entscheider im Interview: Teil 22 – Matthias J. Lange von redaktion42

Date Posted: 10 November, 2014
Matthias J. Lange / redaktion 42
Matthias J. Lange / redaktion 42

Unsere Se­rie Blog­ger und Ent­schei­der im Inter­view geht in die nächste Runde: Seit Anfang 2014 stel­len wir Blog­gern und Unter­neh­mens­spre­chern Fra­gen rund um das Thema Blog­ger Rela­ti­ons. Nach und nach erge­ben die Ant­wor­ten bei­der Sei­ten wich­tige Erkennt­nisse, wie Blog­ger und Unter­neh­men näher zusam­men­rü­cken kön­nen. Ziel unse­rer Serie ist es, einen Sta­tus Quo in Sachen Blog­ger Rela­ti­ons im Jahr 2014 fest­zu­hal­ten.

„Blogger“ ist als Platzhalter zu verstehen –natürlich können Influencer verschiedener Plattformen gemeint sein (Blogger, Vlogger, Instagramer, Twitterati, Pinterester etc.).

Wei­ter unten fin­det Ihr auch die vor­he­ri­gen Inter­views aufgelistet.

Vor­schläge für Gast­au­to­ren neh­men wir gerne ent­ge­gen, unter welcome@wildcard-communications.de

In Teil 22 im Interview: Matthias J. Lange Gründer von redaktion42.

Viel Spaß beim Lesen.

 

1. Werden Sie von Unternehmen regelmäßig im Rahmen von Blogger Relations angesprochen?

Da muss ich unterscheiden zwischen klein- und mittelständischen Unternehmen und Großkonzernen. Die großen Konzerne haben zwar eine größere Marktpower, haben aber Schwierigkeiten beim Differenzieren. Je nachdem, in welchem Verteiler ich bin, bekomme ich Mails oder Anrufe, ob es passt oder nicht. Bei KMU ist die Kommunikation oftmals viel zielgerichteter und persönlicher. Aber die Ansprache beim klassischen Mittelstand ist noch übersichtlich. Die Blogosphäre ist dort oftmals noch nicht angekommen.

2. Welche persönlichen Erfahrungswerte gibt es im Umgang und der Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Hier die gleiche Unterscheidung wie vorher. Der Großkonzern beschäftigt oft billige Praktikanten, die im Grunde keine Ahnung von den Produkten des Unternehmens haben. Bestes Beispiel sind IT-Firmen, die wunderbare Solutions für irgendwelche Probleme haben und wenn ich als Mac-User dann frage, ob das System auch in einer Mac-Umgebung läuft, herrscht große Ratlosigkeit. Hier werden, gerade vor Messen und Veranstaltungen, die Listen gnadenlos durchtelefoniert nach dem Motto „Vogel friss oder stirb“. Bei KMU macht meistens der Chef das Marketing oder die Pressearbeit bzw. ist darin involviert. Öffentlichkeitsarbeit ist so wichtig, dass es Chefsache ist. Hierin sehe ich eine große Chance. Ich hatte beispielsweise einen Metzger/Fleischer am Telefon. Der sagte mir sinngemäß: Für das Schlachten und das Zerteilen des Fleisches habe ich meine Leute, ich habe ein Unternehmen zu führen und dazu gehört auch das Marketing.

3. Was ist der größte Fehler von Unternehmen im Umgang und Dialog mit Bloggern?

Ganz konkret? Nun oftmals wird man auf Veranstaltungen eingeladen, um live zu twittern, zu filmen und zu bloggen. Aber es wurde der falsche Zeitpunkt für die Veranstaltung gewählt, wie beispielsweise am Monatsende. Da sind bei vielen Bloggern die Datentarife abgelaufen und so wird wenig veröffentlicht. Anderer Fehler ist die Location. Oftmals ist das Netz dort extrem schlecht, sodass dort nur Edge-Land ist. Oder es steht kein leistungsstarkes WLAN zur Verfügung. Bei Messen bekommt man als Blogger das Aussteller-WLAN, das im Grunde am Rande der Kapazitätsgrenzen ist. Und wenn ich schon bei Live-Veranstaltungen bin: Das WLAN ist von der IT eingeschränkt, bestimmte Ports sind geschlossen, sodass beispielsweise ein Upload bei YouTube nicht möglich ist.

4. Wenn Sie Unternehmensvertreter wären: Was würden Sie tun, um die Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Unternehmen weiter zu stärken?

Ich würde meinen Beruf nicht als Arbeit verstehen, sondern als Berufung. Und dazu gehört Kontaktpflege über offizielle Events hinaus. Wer mir als Blogger in sozialen Netzwerken als Mensch begegnet, den nehme ich als Unternehmensvertreter auch ernster. Und ich würde für mein Unternehmen die Influencer, die Social Hubs immer und immer wieder identifizieren. Das bedeutet, Augen offen halten und auch mal unkonventionelle Wege gehen.

5. Wie sollte die Ansprache aussehen? Worauf ist besonders von Unternehmensseite aus zu achten, wenn mit Blogger Relations gestartet werden soll?

Ich stelle in meinen Beratungen für Unternehmen, Verbände und Verwaltungen zwei Dinge fest: Zum einen gibt es keine klar definierten Social Media-Ziele. Es wird agiert, auf die Pauke gehauen und die eine oder andere Sau durchs Dorf getrieben. Doch warum sie das Ganze machen, ist mir manches Mal fraglich. Zum anderen gibt es keine festgelegten Social Media-Guidelines. Aktionismus ist gut, solange es etwas Gutes für das Unternehmen, Verband und Verwaltung gibt. Geht etwas schief, dann ist die Schreierei groß und es wird ein Schuldiger gesucht. Am Ende stellt man die Social Media-Kommunikation vor lauter Furcht wieder ein. Ein weiteres Problem ist die Freigabe. Oftmals gibt es einen Verantwortlichen, der Aussagen des Unternehmens freigeben muss. Der hockt aber stundenlang in Meetings herum und ist nicht erreichbar.

6. Der größte Segen der Einbindung von Blogger Relations in die Kommunikation ist meiner Meinung nach…

Eine natürliche, ehrliche Sprache, die nicht so gedrechselt ist wie die klassische Sprache der PR. Der Blogger ist in erster Linie sich selbst und seinen Lesern verpflichtet. Als Leser merkt man sofort, wenn es reine Auftragsbloggerei mit der Schere im Kopf ist.

7. Der größte Fluch der Einbindung von Blogger Relations in die Kommunikation ist meiner Meinung nach…

Das Unternehmen will cool sein, frisch sein und ist es in Wahrheit nicht. Immer wieder spürt man die Panik auf Unternehmensseite nach dem Motto: Was machen die da? Dürfen die das? Wer hat das freigegeben? Die Angst und das fehlende Vertrauen behindern die Kommunikation.

8. Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Blogger? Was haben Blogs in Ihren Augen erreicht?

Wir stellen einen zunehmenden Verlust der Glaubwürdigkeit bei den Massenmedien fest. Das klassische Sender-Empfänger-Modell funktioniert nur noch bedingt. Neue Kommunikationsformen mit Rückkanal sind durch Web 2.0 hinzugekommen. Dazu kommen Möglichkeiten der Bewertung. Die Radiotheorie von Bert Brecht ist endlich Wirklichkeit geworden. Blogger haben einen anderen Blickwinkel auf manche Ereignisse erreicht. Umstürze wie der arabische Frühling wären ohne Web 2.0 nicht möglich gewesen. Ich glaube, Blogs und die Kommunikation haben trotz all dem Cat-Content die Welt ein Stück weiter gebracht.

9. Wo sehen Sie die Blogosphäre in Bezug auf Reichweite und Einfluss in 1-3 Jahren in Deutschland?

Ich glaube an den Long Tail und ich denke, dass Blogs einfach dazugehören werden. Sie sind ein weiterer Kanal der Kommunikation. Und durch das fortschreitende Sterben der Massenmedien werden viele gute Journalisten zu Blogs kommen und die ganze Blogosphäre professionalisieren. Der Wandel hat erst begonnen.

10. Was möchten Sie Unternehmensvertretern gerne mit auf den Weg geben?

Ich halte mich hier an den verstorbenen Steve Jobs: Stay hungry, stay foolish. Und auch ganz wichtig: Content, vor allem guter Content fällt nicht vom Himmel. Das bedeutet, Content und die Pflege kosten Geld. Wer als Unternehmen im Bereich Blogs mitmachen will, sollte dies in seiner Finanzplanung berücksichtigen. Wer glaubt, die Marketingabteilung macht dies so einfach nebenbei, der wird sich täuschen. Die Tools sind zwar kostenlos, die menschliche Arbeit damit will bezahlt werden.

 

Teil 21: Jan-Philipp Hachmeister / titus

Teil 20: Isa Grütering und Claudia Kahnt / hauptstadtmutti.de

Teil 19: Joe Miragliotta / Joe’s Daily

Teil 18: Paul Johnson / A Luxury Travel Blog

Teil 17: Thomas Forster / Hansgrohe

Teil 16: Nastasja Heuer / Rossmann

Teil 15: Kim Christopher Granz / DESIGNLOVR

Teil 14: Thomas Mickeleit / Microsoft Deutschland GmbH

Teil 13: Andreas Maurer / 1&1 Internet AG

Teil 12: Chris Görtz / hypesrus.com

Teil 11: Anja Beckmann / travelontoast.de

Teil 10: Fabian Mechtel / asphaltfrage.de

Teil 9: Falk Hedemann / falkhedemann.de

Teil 8: Camillo Pfeil / imaedia.de

Teil 7: Sascha Pietsch / horstson.de

Teil 6: Romy Mlinzk /snoopsmaus.de

Teil 5: Carsten Knobloch/ stadt-bremerhaven.de

Teil 4: Sachar Kriwoj / GLOSSYBOX

Teil 3: Maik Matischak / AMD

Teil 2: Kai van Heldth / Heldth.com

Teil 1: Milos Willing / Trendlupe.de

Share this
arrow_upward