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Bahnstreik: Wie groß ist der Imageschaden für die Deutsche Bahn und GDL?

Date Posted: 8 Mai, 2015

Die Gewerkschaft der Deutschen Lokführer (GDL) bestreikt den Personenverkehr. Zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Bahn erstreckt sich der Ausstand über fast sechs Tage. Die Lokführergewerkschaft GDL fordert höhere Löhne und die Gleichbehandlung der Rangierlokführer, die Bahn zeigt bisher wenig Entgegenkommen. Wie reagiert die Deutsche Bahn auf diesen Ausstand? Stellt die GDL ihre Forderungen plausibel vor? Wer wird nach dem Streik mit dem größeren Imageschaden aus den Verhandlungen hervortreten?

© GDL

Die Forderungen der GDL

Die GDL befindet sich seit Monaten im Arbeitskampf mit der Deutschen Bahn. Die Gewerkschaft fordert eine fünfprozentige Lohnerhöhung und die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde. Die Bahn bietet lediglich eine gestaffelte Lohnerhöhung um 4,7 Prozent und eine Einmalzahlung von insgesamt 1.000 Euro. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gleichbehandlung der Lokrangierführer, die im Tarifgefüge der Bahn bisher niedriger als die Lokführer eingestuft werden, obwohl sie grundsätzlich die gleiche Arbeit verrichten wie diese. Der stattfindende achte Streik der Lokführer markiert einen Höhepunkt, seit der Gründung der Deutschen Bahn 1994 gab es keinen so lange dauernden Ausstand.

Geteilte Meinungen zum Bahnstreik

Der nunmehr achte Bahnstreik spaltet die Öffentlichkeit. Regierungsvertreter äußern sich vermehrt kritisch, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plädierte gar für eine Einschränkung des Streikrechtes, stieß damit jedoch selbst innerhalb der eigenen Partei auf Ablehnung. Zahlreiche Bahnreisende reagieren mit Unverständnis auf den erneuten Streik, das öffentliche Auftreten von GDL-Chef Claus Weselsky wird von vielen als negativ wahrgenommen. Auch die Bahn hat einen Imageschaden zu befürchten, zeigte sie sich doch während der Verhandlungen unbeweglich. Die massive Erhöhung der Bonuszahlungen für Vorstandsmitglieder verschlechtern ihr Bild in der Öffentlichkeit zusätzlich. Positiv ist die Informationspolitik der Deutschen Bahn: Sowohl auf ihrer Website als auch in der App werden ausfallende Züge zuverlässig gekennzeichnet, Streikfahrpläne können abgerufen werden. So können Kunden sich gezielt über Ausfälle und Alternativen informieren.

Größere Akzeptanz durch verbesserte Kommunikation

Trotz positiver Ansätze können weder die Kommunikation seitens der GDL, noch die der Deutschen Bahn als gelungen bezeichnet werden. Der Gewerkschaft hat ihre Kernforderungen nicht überzeugend an die Öffentlichkeit vermitteln können. Dieses kann über eine effizientere Nutzung der Social Media-Kanäle und über den Einsatz von Reputationsmanagement bereits vor einem Streik erfolgen. Auch die Deutsche Bahn verfolgt keine überzeugende Social Media-Strategie und verteilt Informationen kompliziert über verschiedene Kanäle. Die Informationspolitik vor Ort lässt besonders zu wünschen übrig, wie Betroffene zu berichten wissen. Anstatt die GDL als Verantwortlichen zu brandmarken, sollte hier Aufklärung betrieben und die Privat- sowie Geschäfts-Kunden umfassender informiert werden. Sonst weichen diese vielleicht auch nach Beendigung des Streiks auf Alternativen aus.

© Deutsche Bahn
© Deutsche Bahn

Imageschaden für GDL und Bahn

Sicher ist, dass das öffentliche Ansehen von GDL und Deutscher Bahn durch den Streik Schaden davongetragen haben. Dieser hätte deutlich geringer ausfallen können, wäre von beiden Seiten eine andere Strategie gefahren worden. Instrumente wie Consulting, Corporate Blogs, Reputations- und Krisenmanagement sowie Social Media- Trainings durch professionelle Agenturen sind für Unternehmen unverzichtbar und auch den Gewerkschaften dringend zu empfehlen. Am Ende ist der zahlende Kunde die wichtigste Einnahmequelle – aber durch fehlende Alternativen müssen diese jeden Streik schweigend und schulterzuckend hinnehmen. Doch die Fahrgäste scheinen bei der Diskussion um die Tarifllöhne absolut keine Rolle zu spielen. Ein Verständnis für den finanziellen Schaden der durch Bahnstreiks in der Wirtschaft kann auf diese Weise kaum aufgebaut werden, auch eine Parteinahme für die GDL oder die Bahn fällt schwer. Die Gefahr besteht darin, unbedacht Gleichgültigkeit gegenüber den Reisenden und der Wirtschaft auszustrahlen, weil man lediglich die eigene Agenda vor dem Auge hat.

Auf focus.de gibt es einen Liveticker zu den aktuellen Entwicklungen: http://www.focus.de/finanzen/news/bahn-streik-im-live-ticker-laeuft-der-weselsky-putsch-gdl-mitglieder-haben-keine-lust-auf-streik_id_4668331.html

Und zum wirtschaftlichen Schaden: http://www.focus.de/finanzen/news/bahn-streik-im-live-ticker-bricht-gdl-chef-weselsky-den-mega-streik-vorzeitig-ab_id_4665919.html

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