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Auflagenrückgang – liegt die Print-Zukunft in der Fachpresse?

Date Posted: 19 Juli, 2013
Bild: Bauer

Am 20. April 2013 gab die IVW eine Pressemeldung heraus: „Alle Printgattungen verzeichnen gegenüber dem Vorjahr rückläufige Gesamtverkäufe – Auflagenrückgänge für die Tages- und Wochenzeitungen sowie Publikums- und Kundenzeitschriften.“ Okay, das war zu erwarten. Dann aber folgte der Satz, der mich nachdenken ließ: „Fachpresse mit weitgehend stabilen Ergebnissen.“ Natürlich – die großen Tages- und Wochenzeitungen und deren Onlineportale bleiben die einflussreichsten Mediengattungen, das dürfen wir Kommunikationsleute nicht vergessen. Die Zahlen lassen aber auch erkennen, dass die Leser der Fachpresse – ähnlich der Blog-Leser – sehr loyale sind. Entwickelt sich der Printmarkt weiter wie bisher, ist die Theorie, dass die Zukunft des (Print) -Journalismus im Fachpressebereich liegt, ist also keine abwegige.

Neue Chancen für SI-Medien

Allerdings: Namhafte Verlage sehen davon ab, neue große Tages- und Wochenzeitschriften aus der Taufe zu heben, sondern sorgen dafür, die Onlineableger weiter zu etablieren. Gleichzeitig gibt es immer wieder mutige Versuche neue SI-Presse zu etablieren. So setzt Springer aktuell mit „Perfect Ink“ auf die Tattoo-Szene, mit Der Griller auf alle, die gerne Fleisch auf den Rost legen. Bauer gibt der noch immer gegen den Trend wachsenden InTouch immer wieder neue Ableger (InTouch Home, InTouch Style) – und diese sind erfolgreich. Gruner & Jahr setzt auf das Grill-Magazin Beef. Auch die Zahlen von Zeitschriften wie 11 Freunde oder kicker sind seit Jahren erstaunlich konstant.

So absurd es klingen mag: Zwischen Zeitschriften wie 11 Freunde und InTouch besteht eine Parallele: Beide Konzepte bewahren sich Themenreinheit. Auf der einen Seite Fußballkultur, auf der anderen Seite Gossip. Denn anders, als viele vermuten, ist InTouch keine junge Version typischer Frauenzeitschriften – preist also keine neue Diät an, sondern zeigt, wie gut oder schlecht Stars damit fahren. Der Klatsch-Faktor ist bei InTouch enorm wichtig, was auch die neue Heftkampagne beweist. Wer den neusten Chic, die neusten Lebensumstände oder eben die aktuellsten Verfehlungen der Stars und Sternchen gebündelt in Form einer InTouch-Ausgabe online suchen würde, hätte lange zu tun. Für diese sehr spezifische Informationssammlung ist Print tatsächlich das am besten geeignete Medium – das ist nur ein Beispiel aus vielen, die sich durch die zukünftige Verringerung des Printmarktes weiter herauskristallisieren werden.

SI – Herausforderung für fachfremde Produkt-PR

Für die PR sind diese (Fach)Medien allerdings eine spezielle Herausforderungen. So sagt InTouch-Geschäftsführer Levetzow im Kress-Interview: „Gefälligkeitsjournalismus ist nicht unser Credo“. PR, die auf viele Jahre in Print erfolgreich sein will, muss also mehr denn je in Themen denken. Wer beispielsweise Produktkommunikation für branchenfremde Produkte in der Fachpresse betreiben will, ist aufgefordert, durch gute Ideen einen Bezug zur Leserschaft herzustellen.

Das ist natürlich kein Aufruf, große GI-Medien in der Kommunikation zukünftig zu ignorieren – im Gegenteil: Es ist ein Aufruf, zukünftig die SI-Presse mehr einzubeziehen, um erfolgreich zu kommunizieren. Gerade im Segment Print.

Update:

Nun hat auch Thomas Koch auf W&V über das Zeitschriften Special-Interest-Phänomen geschrieben.

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