News & views

Apple iPhone – verhaltene Reaktionen, aber bloß nicht abschreiben

Date Posted: 11 September, 2013
Bild: Apple

Gestern Abend war es wieder soweit: Apple-Pressekonferenz. An diese Art Veranstaltung baute sich in der letzten Dekade eine enorme Erwartungshaltung auf. Es ist schon fast unmöglich, diese immer wieder zu erfüllen. Entsprechend verhalten waren die Reaktionen. Zwar wurden erstmals zwei iPhones präsentiert doch der große Kracher – er fehlte. Die Gründe sind mannigfaltig.

Apple – mit Plastik mehr Kunden?

Die großen Technologiekonzerne eint ein Problem: Die Geheimhaltung neuer Entwicklungen wird immer schwieriger. Ob Microsoft, Google oder eben Apple: Die wichtigsten Fakten zu neuen Produkten sickern im Vorfeld durch. Vor allem die späteren Kunden fühlen sich dann meist, wie Kinder, die am Vorweihnachtsabend die unverpackten Geschenke entdecken, die doch eigentlich 24 Stunden später verpackt unter Baum liegen sollten. Gestern Abend war es ähnlich. Längst wussten alle, was auf sie zukommt: iPhone 5C und iPhone 5S.

Das C-Modell bricht mit einer eisernen Apple-Tradition: Es gibt Farbe (grün, blau, gelb, pink und weiß) und Kunststoff und schon beinahe persönlichen Schnäppchen-Charakter. Apple zückt dabei kommunikativ einen Joker. Es handele sich nicht um Kunststoff, sondern um Polycarbonat. Klingt besser, ist aber einfacher  Kunststoff. Der gemeine Kunde wird aber von Plastik sprechen. Ob das dem Image schadet? Die Hardcore-Fans werden dem Konzern die Stange halten, doch die Exklusivität der Marke ist nicht mehr ganz so gewaltig, wie sie über Jahre einst war. Der Schritt war allerdings nötig, um mit den aufstrebenden Android-Geräten mithalten zu können, da diese in der absoluten Verbreitungszahl die iPhones längst überholt haben. Allerdings fiel die Apple-Aktie kurzzeitig. Selbst Nokia ließ es sich nicht nehmen, einen kleinen Seitenhieb auszuteilen.

Apple – „Das politische Feingefühl einer Splittergranate“

Viel beachtenswerter ist allerdings, dass Apple nach gestern Abend den Ruf des Mega-Innovators zu verlieren droht. Es gab letztlich nur Updates zu sehen, deren neue Features sich im Social-Web sogar als Fettnäpfchen herausstellen. Stichwort Fingerprint. Da twittert Sascha Lobo doch glatt „Mit dem Fingerabdruck-Scanner im neuen iPhone beweist Apple das politische Feingefühl einer Splittergranate.“

Anatol Locker spricht auf heute.de sogar davon, dass er die Gefahr sieht, dass Apple in den Stand einer „stinknormale Computerfirma“ zurückzufallen droht. Und dann wird es schwer, die hohen Preise weiterhin zu rechtfertigen. Denn wir kauften in den letzten Jahren nicht nur ein hervorragendes Smartphone, sondern auch das sexy Apple-Feeling.

Was kommt also als Nächstes? Die iWatch? Doch selbst hier hinkt Apple etwas hinterher. Andere Hersteller waren schneller. Daher: Lieber Tim Cook, das Innovations-Feuer muss angefacht werden. Es glimmt nur noch. Überraschen Sie uns. Gießen Sie Öl ins Feuer. Abgeschrieben haben wir Sie noch lange nicht.

Share this
arrow_upward