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Apple gegen Nokia: Keynote gegen Nokia World

Date Posted: 25 Oktober, 2013
Lumia 1320
Bild: Nokia

So mancher Technik-Journalist und Blogger wusste vermutlich am 22. Oktober nicht, welcher Einladung er folgen sollte: Jener von Nokia nach Dubai (Nokia World 2013) oder jener von Apple nach San Francisco – zu sehen gab es auf beiden Einiges. Kommunikativ bewirkten beide Veranstaltungen Unterschiedliches.

Natürlich: Für Apple-Veranstaltungen hängt die Latte hoch. Erwartet wird nichts anderes als die nächste Revolution. Entsprechend saßen Millionen Apple-Jünger vor den Displays, um dem zu lauschen, was Tim Cook zu verkünden hatten. Die letzten Veranstaltungen sorgten eher für Ernüchterung als Begeisterung. Diverse Medien und Blogs äußerten immer wieder Kritik. Der neue Kurs, auch vergünstigte Produkte anzubieten, wird nicht von allen geschätzt.

Auf der anderen Seite der Welt – in Dubai – hatte der einstige Marktführer Nokia einen etwas leichteren Stand: Was die Finnen zu zeigen haben, stößt auf Interesse. Eine Revolution erwartet aber niemand. Doch durch die bekannt gewordene Übernahme durch Microsoft scheint die Marke Nokia wiederzuerstarken – auch in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit.

Luftig und leicht

Beide Events einte eines: Wie so oft bei Veranstaltungen dieser Größenordnung, schwirrte ein großer Teil des Gezeigten vorher irgendwo irgendwie im Internet umher. So wurde entsprechend den Spekulationen bei Apple ein neues iPad-Modell vorgestellt. Wirklich überraschend war bei diesem nur der Name: iPad Air. Mit seinen gerade einmal 469 Gramm Gewicht macht es seinem Namen alle Ehre. Ebenfalls beeindruckend: Mit seiner Tiefe von 7,5 mm ist es 43% dünner als das erste iPad.  Die Bildschirmgröße (Retina-Display) ist mit 9,7 Zoll zu dem des iPad 2 identisch. Das Innenleben besteht aus dem vom iPhone 5S bekannten A7-Chip.

Auch bei Nokia war im Vorfeld bekannt, dass das erste Tablet gezeigt wird. So war es dann auch: Das Lumia 2520 setzt auf ein 10,1 Zoll großes Full-HD-Display. Im Inneren werkelt ein mit 2,2 Gigahertz getakteter Qualcomm Snapdragon 800. Wuchtig ist es auch nicht: 8,9 Millimeter und 615 Gramm sind bei Nokia die wichtigsten Maßeinheiten. Der größte Unterschied zum iPad Air: das Betriebssystem – Windows RT 8. Kosten soll das Tablet 365 Euro. Bemerkenswert: das Gerät erscheint zunächst nur in Finnland, den USA und Großbritannien.

Apple iPad Air
Bild: Apple

Apple zeigte noch eine aktuelle Version des iPad mini. Dem Display des neuen Kraftzwergs wurde nun auch die Retina-Technologie spendiert, und auch das Innenleben wurde mit dem A7-Chip auf den neusten Stand gebracht. Die neuste Technik hat ihren Preis: Mit 389 Euro für das 16GB-Modell müssen Käufer im Vergleich zum „alten“ iPad mini genau 100 Euro mehr berappen. Den Fingerabdrucksensor Touch ID suchten wir übrigens sowohl beim iPad Air als auch beim renovierten iPad mini vergeblich. Eine im Vorfeld aufgestellte Spekulation, die sich nicht bewahrheitete.

Bei Nokia gab es dagegen zwei neue Lumia-Smartphones zu sehen: Die Modelle 1520 und 1320. Wobei das 1520 das deutlich attraktivere Modell ist.  Wie im Tablet verrichtet eine Qualcomm Snapdragon 800 CPU im 1520 ihren Dienst. Bei der Kamera – dem großen Pluspunkt des 1020 – backt Nokia hier kleinere Brötchen. „Nur“ 20 Megapixel sollen es sein. In der Premiumklasse beweist Nokia aber, dass nicht versucht wird, über Preiskämpfe Marktanteile zu gewinnen: 800 Euro wird das 1520 kosten.

In die Röhre geschaut

Zurück zu Apple: Neben einem dünneren und leichteren MacBook Pro wurde der Öffentlichkeit auch ein neuer Mac Pro präsentiert. Das neue Gerät im gewöhnungsbedürftigen Röhrendesign ist mit seinem Grundpreis von 2999 US-Dollar zwar alles andere als ein Schnäppchen, dafür bekommen Käufer aber auch pure Power: Als Beispiele seien hier nur der Intel-Prozessor Xeon Quad-Core mit 3,7 GHz oder der AMD FirePro-Grafikprozessor mit 2 Teraflops Leistung genannt, der bis zu drei 4K-Dsiplays unterstützt.

Der Software-Kampf

Größere Schlagzeilen als die Hardware, konnte in beiden Fällen die Software machen: Im Gegensatz zur kostspieligen Hardware zeigt sich Apple in Sachen Software zukünftig spendabel. Ab sofort bekommen alle Mac-Nutzer, die einen Rechner aus dem Baujahr 2007 oder neuer haben, das neue Betriebssystem OS X Maverick kostenlos. Die Ankündigung der Gratis-Software war die eigentliche Überraschung des Apple-Events und stahl der Hardware die Show. Mancher Apple-Jünger mag nun maulen: Jetzt muss schon Software verschenkt werden, um überhaupt irgendwas interessantes Neues verkünden zu können.

Den Software-Clou von Nokia nahmen User und Medien hingegen weniger ambivalent auf: Instagram soll demnächst auch für Windows Mobile erscheinen. Damit dürfte ein weiterer Grund wegfallen, weswegen bisherige iOS- und Android-User nicht auch mal zu einem Windows Mobile-Gerät greifen sollten.

Beide Veranstaltungen und das entsprechende Feedback von Tech-Fans zeigen: Die mobile, digitale Welt halt deutlich mehr als nur Apple und Samsung zu bieten. Und das ist auch gut so.

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