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Adblocker profitiert durch Anti-Kampagne der Verlage

Date Posted: 16 Mai, 2013

Für Verlage ist es bekanntlich schwer, mit ihren Inhalten im Internet Geld zu verdienen. Gezahlt wird nämlich nicht für ein Magazin oder eine Zeitung, sondern – zur Freude mancher Kunden – überhaupt nicht. Viele Bezahlmodelle über das Web sind bereits gescheitert, oder werfen keine Gewinne ab. Bezahlmodelle, wie die sogenannte Paywall, die dem User erst nach Zahlung den kompletten, auf der Website gezeigten Content anzeigt, bringen die Nutzer regelmäßig in Rage. Fast-Food-Durchklick-Artikel für mehr Klicks schrecken viele ab. Es bleibt: Die scheinbar einfachste Einnahmequelle: Online-Anzeigen und Bannerschaltung. Sie sind die aktuell einzige wirkliche Möglichkeit, Geld durch eigenen Content im Internet zu verdienen. Für die Nutzer sind Pop-Ups und große Anzeigen aber eher störend. Daher installieren viele Nutzer sogenannte „Adblocker“ für ihren Browser um sich vor den störenden Werbeschaltungen zu schützen. Dagegen wollen Spiegel und Co. jetzt vorgehen.

Was für Alternativen gibt es?

Adblocker verhindern die Anzeige von Werbung im Internet.
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Das Internet wird nicht nur aufgrund von Katzenvideos und Social-Media-Phänomenen sehr geschätzt. Nirgends sonst bekommt man schneller Informationen und kann sich gleichzeitig mit anderen Usern darüber austauschen. Einige Lokalzeitungen, wie das Hamburger Abendblatt oder die Neue Presse aus Hannover arbeiten bereits seit einiger Zeit mit einer Paywall. Das Herauszögern der Umsetzung dieses Modells von großen Online-Portalen wie der Bild oder der FAZ zeigen, dass die Paywall wohl noch keine großen Gewinne abwirft oder die Sorge um den Verlust der unsteten Leserschaft die prognostizierten Umsätze übersteigt.

Aber auch das Werben mit Anzeigen wird immer schwieriger, denn clevere Nutzer wissen sich gegen omnipräsente Produktinformationen zu helfen. Adblocker verhindern das Aufpoppen von Fenstern, Anzeigen und Werbespots vor Videos. Nun, auf lange Sicht kann sich der Nutzer damit selber auch schaden. Denn die Werbekunden für Online-Magazine schauen natürlich genau auf die Nutzerzahlen und wie viele der Besucher die Werbung deaktiviert haben. Die Formel könnte so aussehen:

Mehr Besucher mit Adblocker = unattraktiver für Werbekunden = weniger Geld für den Verlag = weniger Mitarbeiter, weniger Content, geringere Vielfalt für den Leser.

Aus diesem Grund starteten in dieser Woche Spiegel Online, die FAZ, Golem, Zeit Online, RP Online und die Süddeutsche, eine Kampagne, die die Nutzer dazu auffordert, ihren Adblocker zu deaktivieren. Irgendwie verständlich, denn immer mehr Leute holen sich die Informationen online, anstatt eine Zeitung zu kaufen. Leider schlägt die Kampagne im Moment eher in die falsche Richtung um.

Gegenteiliger Effekt – mehr User nutzen Adblocker

Paradox: Auf Twitter bedankt sich der Werbeblocker-Anbieter AdblockPlus bei den Verlagen. Seit dem Aufruf zur Deaktivierung des Programms habe das Unternehmen mehr Spenden und Installationen als vorher gehabt. Scheinbar sind durch den Aufruf der Verlage erst viele Nutzer auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, sich von der lästigen Online-Werbung zu befreien. Die Twitter-Botschaft von AdblockPlus wurde mittlerweile über 1756 mal weitergeteilt. In Deutschland nutzen laut eigenen Angaben rund 10 Millionen Menschen AdblockPlus, weltweit sind es sogar 45 Millionen Nutzer, einer der Top-Werte für Browser-Add-ons. Laut Till Faida, einem Mitbegründer des Programms müssten sich Verlage, Websites und Advertiser darum bemühen, Werbung für den Nutzer und nicht gegen ihn zu machen.

Eine Lösung für das Problem ist also kurzfristig noch nicht gefunden.

Die New York Times als Vorbild

Die Zukunft wird zeigen, ob entsprechende Modelle entwickelt werden können, um die Nutzer von Werbeblockern zurück zu den Anzeigen zu locken. Ein Beispiel für ein funktionierendes Online-Bezahlmodell, die besagte Paywall, bietet die New York Times. Im Jahr 2012 brachte es der Konzern auf einen Gewinn von 133 Millionen Dollar. Der Springer-Verlag plant nun ein System auf der Vorlage der Online Zeitung der New York Times für die Portale „Welt Online“ und „Bild“.

Ob sich dieses Modell auch in Deutschland durchsetzen kann, wird sich in Zukunft zeigen. Im Moment scheinen die Nutzer allerdings eher kritisch gegenüber Online-Marketing und Anzeigen zu stehen. „Solange mir große Werbebanner und Pop-Ups auf Websites begegnen bleibt mein Adblocker aber auf jeden Fall noch an.“, so die Aussage manchen Bloggers.

 

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