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Adblocker auf Mobilgeräten – Neue Herausforderungen für werbetreibende Unternehmen

Date Posted: 10 Juli, 2015

In diesem Herbst will Apple mit dem Update auf iOS9 die technischen Voraussetzungen für Adblocker auf Mobilgeräten schaffen. Android-Nutzer sind in diesem Bereich einen Schritt weiter, da sie seit einiger Zeit Adblock Plus auf ihren Geräten installieren können. Das israelische Unternehmen Shine hat sogar eine Software entwickelt, mit der Netzbetreiber Werbung direkt blocken können. Geraten Werbende auf mobilen Plattformen bald in ernsthafte Schwierigkeiten?

© Fotolia
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Safari-Browser mit Adblockern

Apples mobile Version des Browsers „Safari“ wird in seiner neuesten Version eine signifikante Veränderung erfahren. In iOS9 wird es möglich sein, Werbeblocker in den Browser zu integrieren. Apple selbst spricht von „Content Blocking“, darunter zu verstehen sind u.a. das Verhindern der Anzeige von bestimmten Bildern und Pop-Ups und das Setzen von Cookies. Was genau das beinhaltet und wie tiefgreifend die Veränderungen sind, ist noch nicht bekannt. Es ist denkbar, dass Plugins zum Blockieren von Werbung zugelassen werden. Ein anderes Szenario ist, dass Nutzer Web-basierte Werbung durch eine Funktion an ihrem Gerät schlicht abschalten können. Das wäre ein schwerer Schlag für Werbende und Websites, aber auch für Firmen wie Adblock Plus: Ihre Produkte würden für iOS-User dauerhaft überflüssig. Für Apple selbst bedeutete eine solche Option eher Gewinnzuwachs, denn Verlust. Schließlich generiert der Konzern über Apps Einnahmen, nicht im Netz selbst. Apple hatte seine Pläne nicht öffentlich auf der WWDC verkündet, sondern erst in einem nach der Konferenz veröffentlichten Dokument.

Adblocker auch auf Android-Systemen

Auf stationären Systemen sind Adblocker verbreitet, auf mobilen Geräten sind sie jedoch noch relativ neu. Das Kölner Unternehmen Adblock Plus hatte eine App für Android-Geräte entwickelt, die allerdings von Google aus dem Playstore entfernt wurde und nur über Umwege installiert werden kann. Nun arbeitet das Unternehmen an einem auf Firefox für Android basierenden Browser. Adblock wirbt damit, dass der Einsatz ihres Produktes die Akkulaufzeit verlängern und den Datenverbrauch senken könne. Eine Beta-Version existiert bereits, wann der Browser erscheinen soll steht noch nicht fest. Unterstützung durch Google oder gar eigene Projekte in diesem Bereich sind nicht zu erwarten. Denn im Gegensatz zu Apple entgehen dem Unternehmen durch Adblocker bereits heute Gewinne in Milliardenhöhe. Eine Ausweitung dieser Techniken auf mobile Plattformen würde weiteren Schaden verursachen.

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Die Bombe: Adblocker per Tarif

Noch weitreichendere Folgen könnte eine Maßnahme haben, die zurzeit bei europäischen Netzbetreibern vorbereitet wird. Mit einer Software des israelischen Entwicklers Shine wollen die Mobilfunkbetreiber die Werbefreiheit direkt durch spezielle Tarife anbieten. Onlinewerbung auf Webseiten und in Apps würde damit vollständig blockiert, nur Feed-basierte Werbung, z.B. bei Twitter oder Facebook, wäre nicht betroffen. Die Betreiber sollen die Software bereits Ende 2015 aktivieren wollen, besonders schwer treffen würde das amerikanische Konzerne wie Google oder Yahoo und AOL. Dieser Plan wäre eine Verletzung der Netzneutralität, da die Netzbetreiber bestimmte Inhalte zu ihrem eigenen Nutzen blockieren könnten. Ob die Europäische Kommission dem Vorhaben zustimmt, ist dementsprechend fraglich.

Warum nutzen wir Adblocker?

Aber warum Blocken die User überhaupt Werbung? Häufig liegt es daran, dass die gezeigte Werbung für den Nutzer schlicht uninteressant ist. Aufpoppende, blinkende und Inhalte überdeckende Werbung wird als störend wahrgenommen und bewirkt das Gegenteil ihrer eigentlichen Ziele: Potenzielle Kunden über Produkte zu informieren und Kaufanreize zu setzen. Damit Werbung die Menschen erreicht und Interesse beim Betrachter wecken kann, müssen die Werbetreibenden neue Wege beschreiten und ihre Strategien überdenken. Dies kann durch das Hinterfragen klassischer Werbekonzepte erfolgen und die Etablierung neuer Strategien abseits ausgetretener Pfade. Seien es Live- und Online-Events, Blogger Relations oder der Ausbau von Social Media-Aktivitäten. Die Möglichkeiten den Kunden auf alternativen Wegen zu erreichen, sind zahlreich.

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